STAND
AUTOR/IN
Rolf-Bernhard Essig (Foto: Imago, SWR, imago/Lichtgut)

Audio herunterladen (1,5 MB | MP3)

Unliebsame Überraschung

Beides hängt miteinander zusammen. Es geht bei dem Blau um die Farbe der Täuschung und gleichzeitig um die Farbe der Weite. Beides hat mit der Lüge zu tun oder auch damit, dass man in dieser Weite Überraschungen erleben kann, die gar nicht so selten unliebsame Überraschungen sind.

"Sein blaues Wunder erlebe" wäre eben so eine unliebsame Überraschung – das ist ja fast immer als Drohung verwendet worden. Mein Vater jedenfalls sagte das so: "Du wirst noch dein blaues Wunder erleben!" Und das ist eben damit verbunden – dass es in der Weite diese unliebsame Überraschung geben kann.

Vielleicht ist der Himmel ja doch nicht blau?

"Das Blaue vom Himmel herunterlügen" hat auch mit der Täuschung zu tun, mit dem Unfassbaren. Es gibt aber noch eine Variante, die mir ganz gut gefällt. Die geht dahin, dass jemand so gut lügen kann, dass er den Himmel, der ja unzweifelhaft blau ist, so erscheinen lassen kann als wäre er nicht mehr blau. Man sagte das von den Sophisten schon – sie könnten so gut reden, dass sie das Weiße schwarz und das Schwarze weiß reden könnten. Insofern bin ich zuversichtlich, dass das auch da hineingespielt hat.

Und Sie kennen vielleicht das Diktum: "Lieber einen Freund als eine Pointe verlieren."

Wahrnehmung Warum ist der Himmel blau?

Dafür gibt es eine physikalische Erklärung und eine psychologische. In anderen Kulturen gibt es jedoch kein Wort für die Farbe Blau. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.  mehr...