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Wenn man nachts den Autorückspiegel kippt, dunkelt er die Sicht ab. Wie geht das?

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Dieser Trick lässt sich am besten verstehen, wenn wir daran denken, was passiert, wenn wir nachts in einem beleuchteten Zimmer stehen und durchs Fenster nach draußen schauen wollen. Was sehen wir? Vor allem: Uns selber – weil Glasscheiben eben nicht hundertprozentig lichtdurchlässig sind, sondern immer auch einen gewissen Teil spiegeln. Und wenn draußen im Dunkeln nichts zu sehen ist, sehen wir vor allem das, was sich spiegelt. Mit diesem Effekt funktioniert der abgedunkelte Rückspiegel.

Ein normaler Spiegel besteht normalerweise aus einer Glasscheibe, die von hinten mit Aluminium beschichtet ist. Das Aluminium ist das, was hauptsächlich spiegelt. Wenn man aber in einen Spiegel guckt, kann es sein, je nachdem, in welchem Winkel man guckt, dass neben dem Hauptspiegelbild auch noch ein schwaches Neben-Spiegelbild erscheint. Das kommt daher, weil sich ein Teil der Lichtstrahlen eben auch an der Vorderseite der Glasplatte spiegeln und nicht erst hinten am Aluminium. Das ist beim Rückspiegel im Auto genauso. Der Trick ist: Die Glasscheibe ist keilförmig. Das heißt, Vorder- und Rückseite der Glasplatte sind nicht parallel, sondern bilden einen kleinen Winkel von 3 bis 5°. Das ist der Winkel, um den man in der Dunkelheit den Spiegel nach oben klappen muss, um diesen Abdunkelungseffekt zu erzielen.

Was passiert dabei?

Ganz klar: Der eigentliche Spiegel – also die Rückseite des Glases – zeigt dann auf die Autodecke. Die ist aber, wenn es draußen dunkel ist, ebenfalls dunkel, das heißt, von der Decke sehe ich im Spiegel nichts. Durch das Kippen aber habe ich gleichzeitig die Oberfläche der keilförmigen Glasscheibe in genau die Position gedreht, in der sich in der Normalstellung die Rückseite befindet. Das heißt, die Vorderseite des Glases ist jetzt mein eigentlicher Spiegel – mit dem Unterschied, dass diese Glasoberfläche nur einen Bruchteil der Strahlen spiegelt. Und genau das ist es ja, was ich will – gerade weil die Glasoberfläche nur einen Bruchteil der Strahlen spiegelt, erscheinen die Lichter der Autos hinter mir abgedunkelt. Damit habe ich den gewünschten Effekt. Der Trick ist also die keilförmige Glasscheibe im Rückspiegel. Ich nutze die Tatsache, dass die Glasoberfläche auch ein – wenngleich schwacher – Spiegel ist.

Bei neueren Autos funktioniert das elektronisch

Das ist die Hightech-Version, da funktioniert der Effekt elektronisch und auch ein bisschen anders – da hat man keine keilförmige Glasscheibe, sondern zwei dünne Glasscheiben hintereinander. Die erste Scheibe ist eine durchlässige Glasscheibe, die zweite ist der eigentliche Spiegel. Zwischen diesen beiden Scheiben befindet sich eine spezielle Flüssigkeit, die eine Besonderheit hat: Wenn die Flüssigkeit unter Strom gesetzt wird, wird sie trüb – damit dunkelt sie den hinteren Spiegel ab. Und dass sie unter Strom gesetzt wird, dafür sorgen spezielle – sozusagen intelligente – Helligkeitssensoren.

Wenn es also dunkel ist und gleichzeitig helle Scheinwerfer von hinten kommen, dann springen die Sensoren an und leiten Strom in die Flüssigkeit zwischen den Glasscheiben, sodass der Verdunkelungseffekt eintritt. In dem Moment ist der Effekt dann wieder ähnlich wie bei dem Kippspiegel: Das Licht wird nicht mehr im eigentlichen Spiegel reflektiert, sondern nur noch schwach an der Glasoberfläche – während der größte Teil der Lichtstrahlen ins Glas reingeht und letztlich von der trüben Flüssigkeit geschluckt wird.

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