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Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

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Kuhlose Milch gibt es ja insofern, als es heute in jedem Supermarkt all diese Milchersatzprodukte gibt: Sojamilch, Hafermilch, Mandelmilch – und wie sie alle heißen. Das geht ja eigentlich schon in die Richtung: Man hat eine pflanzliche Basis, zum Beispiel eingeweichte und ausgepresste Sojabohnen oder pürierte Mandeln, und versetzt diese mit genau der Menge Wasser, die nötig ist, damit die Mischung zumindest dem Eiweiß- und Fettgehalt der Milch möglichst nahe kommt. Die Beispiele machen aber auch zugleich die Schwierigkeit deutlich: Soja- oder Hafermilch schmeckt deutlich anders als Milch und enthält vieles eben nicht, was Kuhmilch enthält. Deshalb werden diese Getränke oft zusätzlich angereichert, zum Beispiel mit Kalzium.

Milche enthält neben Wasser hunderte weitere Substanzen

Mit anderen Worten: Die Hauptbestandteile der Milch sind zwar Wasser, Milchzucker, Fett und Eiweiß, aber daneben stecken hunderte weitere Substanzen in der Milch drin. Allein unter den Eiweißen sind es mehr als hundert verschiedene. Und selbst das Fett ist nicht einfach so als Fett drin. Die winzig kleinen Fettkügelchen bekommen vielmehr im Euter noch ein paar dünne Schichten umlegt, damit das Fett in Emulsion gehen kann, sodass sich das Fett und das Wasser mischen.

Guter Milchersatz nur durch hohen Ressourcenverbrauch zu erzielen

Die Herstellung von künstlicher Milch, die wirklich der echten Milch noch näher kommt als Soja- oder Hafermilch, würde am Ende auch ziemlich aufwändig werden – so aufwändig, dass es vom Ressourcenverbrauch nicht unbedingt sparsamer wäre. Und je nachdem, was es dann kostet, müssten sich ja genügend Leute finden, die den Preis auch bereit wären zu zahlen.

Es ist aber nicht so, dass man es nicht probiert hätte. Ich habe einen ZEIT-Artikel aus dem Jahr 1962 gefunden. Der berichtet von Experimenten in England, wo Wissenschaftler großspurig angekündigt haben, Milch aus genau dem Rohmaterial herzustellen, von dem sich auch die Kuh ernährt, nur eben ohne den Umweg über die Kuh. Stattdessen werde das Gras destilliert und hinterher mit Kohlenhydraten, pflanzlichen Fetten und Mineralsalzen angereichert. Noch im selben Jahr, wie gesagt, das war 1962, sollte mit der Massenproduktion begonnen werden – aber ich habe nichts darüber gefunden, ob da jemals etwas draus geworden ist. Und so wie es beschrieben ist, kann ich mir auch nicht vorstellen, dass das milchähnlicher gewesen wäre als Sojamilch.

Sojamilch wurde in China erfunden

Die Sojamilch wurde übrigens in China erfunden, wie überhaupt eine Menge Versuche, Milchersatzstoffe herzustellen, aus dem asiatischen Raum stammen. Das Motiv hier war weniger das Sparen von Ressourcen als die Tatsache, dass Laktose-Unverträglichkeit in Asien genetisch bedingt sehr viel verbreiteter ist als bei uns. In Indien kam ein Produkt auf den Markt, das nennt sich „green milk“ – grüne Milch. Hergestellt wird sie aus den Blättern der indischen Moringa-Pflanze, aus Portulak – einem Kraut, das auch in Europa heimisch ist, und aus Chicoree und Pilzen. Pilze vermutlich wegen des darin enthaltenen Vitamins B12. Denn Veganer wissen: Vitamin B12 ist der Bestandteil der Nahrung, den man am schwersten mit veganer Ernähung aufnehmen kann. In Pilzen ist B12 drin – wie in der Milch auch. Viele glauben, Kinder bräuchten Milch wegen des Kalziums, aber da wird der Beitrag der Milch oft überschätzt.

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