Physik Warum werde alternative Theorien zur Urknall-Theorie von der Wissenschaft vernachlässigt?

Dauer

Man hat tatsächlich den Eindruck, entweder Urknall oder der liebe Gott. Die Urknall-Theorie hat viele Vorteile: dass sie z.B. Materieverteilung, Elemente-Häufigkeit erklären kann. Aber man hat das Gefühl, sie ist unangenehm. Carl Friedrich von Weizsäcker hat einmal gesagt: "Eine Gesellschaft, die ihren Anfang mit einem Knall erklärt, hat selber einen." Es ist eine gute Idee. Aber Sie müssen irgendeinen Punkt haben, aus dem alles kommt. In der Theologie wird manchmal davon gesprochen, dass Gott die Welt aus dem Nichts geschaffen hat. Nichts ist für Physiker unheimlich schwierig vorstellbar. Es gibt nämlich in der Wissenschaften einen berühmten ersten Hauptsatz der Thermodynamik, demzufolge Energie unzerstörbar ist. Das bedeutet, eigentlich muss es immer Energie gegeben haben.

Und das ist für mich die grundlegende Einstellung: Es muss gewissermaßen einen See von Möglichkeiten gegeben haben. Den nannte man früher Chaos. Aus diesem Chaos konnte irgendjemand durch eine Kraft das schaffen, was wir Wirklichkeit nennen. Im christlichen Glauben sagt man eben, das hat ein Gott gemacht. Sie können aber im naturwissenschaftlichen Denken auch sagen, da hat es Naturgesetze gegeben. Dann müssen Sie natürlich die Frage beantworten, wer die gemacht hat. Das ist eine ganz offene Frage, keiner kann darüber wirklich Bescheid wissen. Aber persönlich denke ich, dass über die Entstehung des Kosmos, die Werdung und Ausdehnung des Kosmos sehr spannende Fragen bleiben, wobei ich der Meinung bin, dass die Wissenschaft das Charakteristikum hat, durch ihre Antworten die Geheimnisse der Welt nicht zu vertreiben, sondern zu vertiefen, so dass Wissenschaft immer spannender wird. Je mehr wir über wissenschaftliche Antworten sprechen, desto tiefer wird das Geheimnis, dass wir eigentlich ergründen wollen. Und das finde ich so faszinierend an dieser Form des Denkens.