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Die Luft, die wir einatmen, besteht nur zu einem Fünftel aus Sauerstoff und zu fast vier Fünfteln aus Stickstoff. 100 Prozent Sauerstoff wäre also eine völlig andere Situation. Trotzdem ist das kurzfristig kein Problem – in der Notfallmedizin kommt reiner Sauerstoff ja auch zum Einsatz. Auch in Raumschiffen sowie in den Sauerstoffflaschen von Tauchern liegt der Sauerstoff zumindest in erhöhter Konzentration vor. Das heißt, der Mensch hält das vorübergehend aus. Auf Dauer ist es aber nicht gesund. Das gilt vor allem, wenn der Sauerstoff über Druckluftflaschen zugeführt wird. Je höher der Druck, desto gesundheitsschädlicher wird der Sauerstoff. Denn normalerweise bilden die Sauerstoffatome Pärchen – immer zwei Atome bilden ein Molekül, deshalb auch die chemische Formel O2. Bei höherem Druck dagegen trennen sich diese Pärchen zunehmend und es entstehen Sauerstoffradikale; die können zu Schäden in der Lunge und im Gehirn führen. Man spricht dann von einer Sauerstoffvergiftung. Der Druck ist also ein ganz wichtiger Faktor. In Raumschiffen leben Astronauten zwar auch oft in einer sauerstoffangereicherten Luft,  aber der Druck ist vermindert. Daher ist das nicht so gefährlich, wie wenn Taucher sich über eine Druckluftflasche mit Sauerstoff versorgen – und das womöglich noch einige Dutzend Meter unter der Wasseroberfläche, wo der Druck ohnehin viel stärker ist. Aus diesen Gründen wird reiner Sauerstoff normalerweise nur sehr kurzfristig in der Notfallmedizin zur Wiederbelebung eingesetzt. Ansonsten ist der menschliche Körper schon an den natürlichen Sauerstoffgehalt von 21 Prozent angepasst. Eine Atmosphäre mit deutlich mehr Sauerstoff wäre auch nicht wünschenswert, denn Sauerstoff ist ein sehr reaktives Gas- Und hätte die Atmosphäre deutlich mehr Sauerstoff, wäre zum Beispiel die Waldbrandgefahr ungleich höher.