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Je nachdem, was mit „schneller“ gemeint ist. Wenn die Frage lautet: „Senkt sich der Siedepunkt, wenn man Salz ins Wasser gibt?“, dann lautet die Antwort ganz klar: „Nein!“ Im Gegenteil, er erhöht sich!

Warum?

Sieden bedeutet: Die Wassermoleküle bewegen sich so schnell, dass sie sich voneinander lösen, sodass aus dem flüssigen Wasser Wasserdampf wird. Salz im Wasser bewirkt aber, dass sich die Wassermoleküle an die Salzmoleküle binden. Folglich müssen sich die Wassermoleküle noch schneller bewegen, um sich vom Salz loszureißen und in die Dampfphase überzugehen. Dass sie sich schneller bewegen, bedeutet nichts anderes, als dass die Temperatur steigt. Und zwar umso höher, je mehr Salz ich dazugebe. Allerdings gibt es eine obere Grenze. Die ist dann erreicht, wenn das Wasser salzgesättigt ist. Bei einem Salzgehalt von etwas mehr als einem Drittel kann das Wasser kein zusätzliches Salz mehr lösen. Und bei einer solchen gesättigten Salzlösung liegt der Siedepunkt bei 108 Grad Celsius. Beim Spagettikochen in der Küche geben wir nicht ganz so viel Salz zu, da erhöht sich der Siedepunkt um 1-2 Grad, liegt also bei etwa 102 Grad.

Du hast vorhin aber gesagt, dass es noch eine andere Antwort auf die Frage gibt.

Ich habe bisher nur über den Siedepunkt gesprochen, der sich bei Zugabe von Salz erhöht. Aber die Frage lautete ja streng genommen: Kocht das Wasser schneller? Jetzt könnte man vermuten, dass das Wasser auf der Herdplatte länger braucht, um zum Kochen zu kommen, wenn der Siedepunkt höher ist. Das ist aber nicht unbedingt der Fall, denn wenn man Wasser salzt, erhöht man gleichzeitig bis zu einem bestimmten Punkt auch die Wärmespeicherfähigkeit. Das heißt im Klartext: Das Wasser wird bei einer bestimmten Energiezufuhr schneller heiß, weil es die zugeführte Wärmeenergie schneller in Temperaturgrade umsetzt. Es braucht also auf der gleichen Herdplatte weniger Zeit, um von 20 auf 100 Grad zu kommen. Jetzt kommt es zwar, wenn es gesalzen ist, erst bei 102 Grad zum Sieden, aber selbst das geht unterm Strich immer noch etwas schneller als wenn man das ungesalzene Wasser zum Kochen bringt. Das alles kann man zwar physikalisch ausrechnen, faktisch wird man in der Küche aber so gut wie keinen Unterschied merken. Zum Energiesparen taugt das Salzen im Grunde nicht.

Wenn man sprudelnd kochendes Wasser im Topf hat und schüttet dann Salz hinein, dann wallt es kurz auf, aber das Sprudeln lässt nach. Wie erklärt sich das?

Weil man durch die Salzzufuhr den Siedepunkt erhöht. Angenommen, ich habe kochendes, 100 Grad heißes Wasser vor mir und gebe Salz dazu. Dann hebe ich den Siedepunkt mit einem Schlag an. Angenommen, das Wasser wäre immer noch hundert Grad heiß, dann hätte es aber plötzlich auf dem Weg zum Siedepunkt noch zwei Grad vor sich; also hört es auf zu kochen. Dieser Effekt wird noch verstärkt, weil sich das Wasser durch die Salzzufuhr sogar leicht abkühlt. Erstens, weil das Salz ja in der Regel nur Zimmertemperatur hat, also zunächst auch erhitzt werden müsste. Vor allem aber, weil das Auflösen von Salz im Wasser zusätzlich Energie kostet – sprich: Wenn sich das Salz auflöst, kühlt das Wasser ab.