1000 Antworten Womit fliegen Flugzeuge, wenn das Erdöl zur Neige geht?

Dauer

Das ist ein großes Problem. Das Erdöl wird zur Neige gehen, und schon vorher wird es ziemlich teuer werden, insofern gehört das zu den wichtigsten Forschungsthemen der Luftfahrt, wie Flugzeuge künftig fliegen. Zwei Trends zeichnen sich ab: Biokraftstoffe, also Treibstoffe, die aus Pflanzen gewonnen werden. Es gibt schon eine Reihe von Flügen mit Biokraftstoffen und die Lufthansa will ab Juli solche Kraftstoffe erstmals auch im regulären Flugbetrieb einsetzen. Das heißt, wer ab Juli 2011 im Airbus A 321 von Hamburg nach Frankfurt fliegt, fliegt unter Umständen in einem Flieger, dessen Treibstoff zur Hälfte nicht aus Erdöl gewonnen wird, sondern aus Agrarprodukten.

Nämlich?

Das Problem ist, nicht jeder Biokraftstoff eignet sich in der Luftfahrt. Es gibt viel mehr Einschränkungen als beim Auto. Man hat zum Beispiel Kraftstoff aus Kokosöl probiert, aber wenn es kalt ist, verdickt das Öl. Und diese Kraftstoffe müssen extreme Temperaturschwankungen aushalten. Oben in 10 000 Höhe ist es saukalt, bis zu minus 40 Grad und darunter, und kurz darauf landet so ein Flugzeug vielleicht im Sommer in Kairo; da erhitzt sich der Tank dann plötzlich auf 80 Grad. Also Kokosöl funktioniert nicht.

Eine „Wunderpflanze“, auf die die Ingenieure im Moment setzen, ist die Jatropha-Pflanze. Deren Öl ist sehr kälteunempfindlich. Aber: die Jatropha wächst vor allem in Indonesien und ist sehr knapp. Im Moment laufen nur Testflüge. Aber wenn man sich jetzt vorstellt, alle Flugzeuge sollen mit dem Öl dieser Pflanze, dieser Nuss fliegen, würde der Anbau extrem viel Fläche benötigen. Trotzdem: In dem Kraftstoff, mit dem die Lufthansa-Maschine ab Juli fliegen soll, ist dieses Jatrophaöl zu einem erheblichen Teil enthalten und daneben Rapsöl. Für die Zukunft wird auch daran gedacht, Treibstoff aus Algen zu gewinnen. Da wäre die potenzielle Ausbeute ziemlich hoch, die könnte man täglich ernten, aber diese Entwicklung steckt noch ganz am Anfang.

Du hast von zwei Trends gesprochen – was außer Biokraftstoffen kommt denn noch in Frage?

Das andere wäre ein völlig anderer Antrieb, Stichwort Brennstoffzelle. Bei heutigen Flugzeugen ist es ja so: Treibstoff wird verbrannt, und mit der Hitze werden Propeller angetrieben. Man könnte sich natürlich auch überlegen, die Propeller mit elektrischem Strom zu betreiben. Aber so große Batterien gibt es gar nicht, wie man dafür bräuchte, und deshalb wird, wie beim Auto auch, über Brennstoffzellen nachgedacht. Das hieße aber, man müsste Wasserstoff in großen Mengen auf Flügen transportieren, was auch viele Probleme mit sich bringt. Es gibt auch damit schon Probeflüge, allerdings nur mit kleinen Maschinen; die sind gerade mal so groß wie ein Segelflugzeug. Und die haben mit Wasserstoff eine Strecke von 750 Kilometern geschafft – auch das reicht vielleicht gerade mal von Frankfurt nach Hamburg. Aber wenn man damit große Flugzeuge auf längere Strecken betreiben will, müsste man erst noch Wege finden, den Strom viel effizienter zu nutzen als jetzt. Vorstellbar ist, dass man mithilfe von Brennstoffzellen zum Beispiel die Bordelektronik mit Strom versorgt. Aber ob es das Elektro-Flugzeug, das mit Strom auch fliegt, jemals geben wird, steht in den Sternen. Wenn man die Leute bei der Lufthansa fragt – die haben da große Zweifel.