1000 Antworten Woher wissen wir, wie die Milchstraße von "außen" aussieht, wenn wir doch mittendrin sind?

Dauer

Wenn Sie ein Bild sehen, dass die Milchstraße von außen zeigt, dann kann es sich nicht um eine "Originalaufnahme" handeln, sondern nur um eine mehr oder weniger realistische Projektion auf der Basis dessen, was die Astronomen heute über die Verteilung der Sterne wissen. So wie die Menschen schon vor dem Satellitenzeitalter Landkarten zeichnen konnten. Landkarten zeigen ja die Welt, wie sie  "von oben" aussehen würde – trotzdem genügen dafür Informationen, die man auf der Erde sammelt, um solche Karten zu zeichnen. Einfaches Beispiel: Wenn ich in einem Wald stehe und lauter Bäume sehe und anhand von Peil-Messungen die Position jedes Baums bestimmen kann, kann ich auch eine Karte der Bäume zeichnen und somit eine Karte des Waldes "von oben". Und so ist das mit der Milchstraße auch. Astronomen können in den Himmel blicken, sie können die Sterne und ihre jeweiligen Entfernungen von der Erde bestimmen und anhand dieses Wissens Himmelskarten zeichnen und mithilfe von Computern ausrechnen, wie die Milchstraße von außen aussehen müsste. Aber fotografiert hat das natürlich noch niemand – außer vielleicht außerirdische Zivilisationen, von denen wir aber noch nichts wissen …

Wird es denn irgendwann solche Aufnahmen geben? – Die Astronomen haben ja immerhin schon Raumsonden ins Weltall geschickt …

Zumindest bei den Sonden, die heute unterwegs sind, dürfen wir keine große Hoffnung haben. Am ehesten kämen dafür ja die Voyager-Raumsonden in Betracht, die 1977 auf ihren Weg ins All geschickt wurden. Aber die haben es bisher gerade mal an den Rand des Sonnensystems geschafft. Voyager 1 hat im Jahr 1990 ein sogenanntes "Familienporträt" unseres Sonnensystems aufgenommen. Es zeigt immerhin 6 der 8 Planeten. Aber das ist im Moment das Höchste der Gefühle in Bezug auf "Blicke von außen" auf die Erde. Letztes Jahr (2013) hat Voyager 1 ja auch erst die Heliosphäre verlassen – den inneren Bereich des Sonnensystems, insofern ist in den nächsten Jahren vielleicht noch mehr zu erwarten. Dass Voyager-Sonden irgendwann auch mal die Milchstraße verlassen könnten und ein Foto von außen machen – das werden wir leider nicht erleben. Rein rechnerisch müssten die Sonden bei ihrer jetzigen Geschwindigkeit noch viele Milliarden Jahre unterwegs sein und höchstwahrscheinlich werden sie auch dann die Milchstraße nicht verlassen, sondern zu einem Teil von ihr werden – sprich, wie die Sonne und all die anderen Sterne der Milchstraße auch um deren Zentrum kreisen. Sie werden uns dann auch keine Fotos mehr schicken, denn die Raumfahrtbehörden rechnen damit, dass wir ca. 2020 den Kontakt zu den Sonden verlieren werden.