1000 Antworten Wie entsteht Schaum und warum verschwindet er wieder?

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Schaum ist zum Beispiel im Spül- oder Badewasser eine Ansammlung von Seifenblasen. Für eine Seifenblase brauchen wir Seife bzw. allgemeiner gesprochen Tenside, wie sie auch im Spülmittel enthalten sind. Was ist das besondere an Tensiden? Wir wissen, dass es zwei verschiedene Arten von Flüssigkeiten gibt: Solche, die sich gut mit Wasser vermischen – Alkohol zum Beispiel – und solche, die sich gar nicht mit Wasser vermischen – dazu gehört Fett und Speiseöl.

Die Seifen oder Tenside haben nun die Besonderheit, dass sie zwei Seiten haben: Eine „wasserliebende“ Seite und eine eher „fettige“ Seite, die sich vom Wasser abwendet. Wenn man einen Tropfen Spülmittel ins Wasser gibt, dann breitet sich der sofort als ganz dünner Film über die Wasseroberfläche aus. Bei diesem Seifen-Film zeigt nun die wasserliebende Seite der einzelnen Moleküle nach unten zum Wasser, und die „fettige“ Seite zeigt weg vom Wasser, also nach oben. Wenn wir diese Oberfläche aufmischen, entsteht der Schaum in Form vieler Seifenblasen.

Das kann man sich veranschaulichen, wenn man an die Seifenblasen denkt, die Kinder erzeugen: Sie tauchen den „Blasring“ ins Seifenwasser, sodass sich in dem Ring eine dünne Haut aus Seifenwasser bildet. Der Unterschied zur Oberfläche des Spülwassers ist, dass bei der Haut im Blasring der Seifenfilm das Wasser von beiden Seiten umgibt – wie bei einem Sandwich. Außen ist der Seifenfilm, innen das Wasser. Und wenn man reinpustet, entsteht die Seifenblase.

Die Haut einer Seifenblase besteht also aus drei Schichten: Innen und außen die Seife, also das Tensid, dazwischen das Wasser. Dass das eine fast perfekte Kugel wird, liegt daran, dass eine Kugel die sparsamste Form ist: Bei einer bestimmten Menge an eingeschlossener Luft benötigt eine Kugel die geringste Oberfläche.

Aber wenn ich mir ein Schaumbad einlasse oder das Geschirr spüle, dann puste ich ja nicht.

Nein, aber man bringt, wenn man zusätzliches Wasser einlässt, die Seifenwasseroberfläche in Unruhe, und dabei gelangt Luft unter die Wasseroberfläche. Diese Luft bleibt da aber nicht lange, sondern steigt in Form von Blasen auf. Wenn diese Luftblasen dann die Wasseroberfläche durchdringen, machen sie das gleiche, wie wenn man Seifenblasen pustet: Sie nehmen den Seifenwasserfilm an der Oberfläche mit und formen ihn zu einer Blase.

Aber der Schaum besteht ja dann nicht aus schönen Kugeln ...

Das liegt daran, dass beim Schaum die vielen Seifenblasen, die zunächst entstehen, sofort zusammenwachsen. Und dann geht die Natur wieder sparsam vor. Sparsam heißt, dass die vielen Seifenblasen versuchen, gemeinsame Grenzen zu bilden. Und so entstehen viele unregelmäßig geformte Blasen im Schaum. Dass der Schaum wieder verschwindet, liegt daran, dass die Haut der Bläschen nun mal aus Seifenwasser besteht. Dieses Seifenwasser fließt langsam nach unten, sodass die Blasen zerfallen.

Ist das beim Bierschaum genauso?

Das physikalische Prinzip ist ähnlich, allerdings entsteht da der Schaum nicht nur durch Unruhe an der Bieroberfläche im Glas, sondern durch die aufsteigenden Luftbläschen. Bier enthält ja Kohlensäure, und diese Luftbläschen führen beim Aufsteigen eiweißhaltige Substanzen, die im Bier sind, mit. Das ist der zweite Unterschied: Die Haut der Bläschen im Bierschaum besteht nicht aus Seifenwasser, sondern aus einer eiweißhaltigen Substanz. Das ist bei Lebensmitteln fast immer so. Wenn wir Reis kochen oder Eier schlagen – fast immer, wenn es beim Kochen schäumt, sind Eiweiße im Spiel. Aber die Physik ist die gleiche.