1000 Antworten Sind Mathematiker Entdecker oder Erfinder?

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Entdecken wir Mathematik, oder erforschen wir Mathematik, oder schaffen wir Mathematik? Da gibt es verschiedene Ansichten, die nicht innerhalb der Mathematik geklärt werden können, sondern nur außerhalb. Das sind in der Tat echt philosophische Fragen.

Für Platon waren reale Gegenstände nur schwache Abbilder der Mathematik

Der antike Philosoph Platon, für den die Mathematik eine ganz wichtige Rolle spielte, war z. B. der Meinung, dass die Mathematik, die mathematischen Ideen, die Vorstellungen, was der echte Kreis ist, was ein echter Punkt ist, was eine echte Zahl ist – das ist das Eigentliche. Und die ganze Welt – das, was wir anfassen können, was wir fühlen können, was wir sehen können – das ist nur ein Abbild davon; er spricht auch von Schatten. Deswegen, sagt er, ist es kein Wunder, dass die Mathematik sich in der Welt widerspiegelt, weil ja die Mathematik das Eigentliche ist und die realen Gegenstände nur schwache Abbilder davon.

Laut Kant folgt die menschliche Wahrnehmung mathematischen Gesetzen

Eine ganz andere Haltung nimmt Kant ein, der Philosoph der Aufklärung. Der sagt: Eigentlich sehen wir die Welt durch eine Brille. Wir sehen nur das, was unser Wahrnehmungsapparat wahrnehmen kann. Und diese Brille, dieser Wahrnehmungsapparat, ist nach mathematischen Gesetzen gemacht. Kein Wunder also sehen wir, dass die Welt mathematisch ist.

Formales Spiel oder Wunder?

Es gibt auch radikale andere Leute, etwa Mathematiker, Hilbert, der sagt: Mathematik ist eigentlich nur ein formales Spiel. Und der stellt sich dann gar nicht der Frage, ob und inwiefern die Mathematik auf die Welt angewandt werden kann. Aber meine Meinung ist: Ein Wunder ist es in jedem Fall, denn wir uns so was ausdenken, Beweise machen und so, dass das so hundertprozentig auf die Welt passt, dass wir eine Sonnenfinsternis auf eine Zehntelsekunde vorhersagen können, das ist schon ein echtes Wunder.

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