1000 Antworten Hatte der Mond Einfluss auf die Entstehung des Lebens?

Dauer

So ganz grundsätzlich kann man die Frage nicht beantworten, da müsste man ein Gegenexperiment machen, den Mond wegtun und die Erde noch mal sich entwickeln lassen und dann schauen was dabei rauskommt. Dieses Experiment können wir nicht machen. Nur die Vorstellung, die wir im Moment haben ist tatsächlich, dass der Mond einen erheblichen Einfluss zumindest auf die weitere Entwicklung des Lebens gehabt hat. Ob der Mond einen Einfluss auf die Entstehung des Leben an sich hatte, das ist vielleicht noch eine etwas offerene Frage.

Für die Entwicklung höherer Lebewesen benötigt man Stabilität. Und Stabilität erzeugt der Mond für unsere Erde auf zweierlei Art. Zum einen ist die Erdachse ja leicht gekippt und dadurch erzeugt man schöne Jahreszeiten. Jetzt ist die Erde aber ein Kreisel, der in gewisser Weise instabil ist. Die anderen Planeten, die zwar sehr weit entfernt sind, haben einen ganz kleinen Einfluss und das führt im Sinne der Chaostheorie zu enormen Schwankungen über die Milliarden Jahre.

Es könnte also sein, wenn wir den Mond nicht hätten, würde sich die Erdachse immer mal wieder auf den Kopf stellen, quer liegen, wie auch immer. Das heißt, ein stabiles Klima kann man sich dann überhaupt nicht mehr vorstellen.

Der Mond ist auch ein Kreisel und der stabilisiert das Gesamtsystem. Das heißt, unsere Erdachse ist über Milliarden Jahre stabil, weil wir den Mond haben.

Andererseits hat es auf der Erde tatsächlich über Milliarden Jahre ein stabiles Klima gegeben. Wichtig dabei ist, dass die Erdkruste sich verschieben kann. Die einzelnen Kontinentalplatten können sich gegeneinander verschieben. Und das wirkt, mit etwas komplizierteren chemischen Prozessen, wie ein großer Thermostat. Die Erdkruste versinkt im Meer, an bestimmten Zonen kommen durch Vulkane wieder neue Gase aus dem Boden raus. Dieser Regelmechanismus kann nur deshalb funktionieren, weil sich die Erdplatten gegeneinander verschieben können. Und verschieben kann sich nur etwas, wo Lücken sind.

Wenn wir uns den Schwesterplanet Venus anschauen, der ist genauso groß wie die Erde, trotzdem gibt es dort keine Plattentektonik und wahrscheinlich war das sein Verderben, in dem Sinne, dass er zu einer Treibhaushölle geworden ist. Dort können sich die Platten nicht gegeneinander verschieben.

Bei der Erde sieht es so aus: die Vorstellung ist die, die Urerde kollidierte, kurz nach ihrer Entstehung, mit einem marsgroßen anderen Planeten. Und der hobelte uns große Teile der Erdkruste weg, die wir heute als Mond im Orbit haben. Und dadurch fehlt uns Krustenmaterial und die einzelnen Platten können sich jetzt frei gegeneinander bewegen und können diesen Thermostate bilden.

Also das ist eine ganz vertrackte Sache. Das heißt, man könnte so sagen: Allein die Tatsache, dass der Mond entstanden ist mit dieser Großkatastrophe der Kollision, ist die Ursache dafür, dass unser Planet überhaupt ein stabiles Klima hatte und zusätzlich, dass der Mond dann da war, stabilisiert uns dann noch die Erdachse, also in einer ganz hervorragenden Weise. Die Erde ist einfach – unterm Strich gesagt – etwas ganz Besonderes.