Sprache

Warum wirken Dialekte unterschiedlich sympathisch?

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Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)

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Artikulation im verengten Rachenraum wirkt "verdruckst"

Dialekte wirken unterschiedlich, das zeigen Umfragen immer wieder. Mehrere Faktoren scheinen hier eine Rolle spielen. Im Schwäbischen (vor allem rund um Stuttgart) und Sächsischen werden viele Vokale, aber auch manche r-Laute "pharyngalisiert", wie der Linguist sagt. Das heißt, sie werden fast nasal, jedenfalls ziemlich weit hinten im Rachen artikuliert: "I hänn koi K’rzle meh em Kell’r“, stellt der Schwabe kurz vor Advent fest. Auf viele Nicht-Schwaben wirken die schwäbischen R-Laute distanziert, geradezu "verdruckst". Eine mögliche psychologische Erklärung: Wer Laute weit hinten im Mund artikuliert, erweckt buchstäblich der Eindruck: Der rückt nicht raus mit der Sprache, der will was für sich behalten.

Im Bayerischen dagegen werden die Vokale weit vorne im Mund artikuliert, das wirkt nachweislich offener, mehr "gradraus". Tatsächlich zählt das Bayerische zu den Dialekten mit den größten Sympathiewerten. Noch ein anderer Fall ist das Hessische: Es kennt fast nur weiche ("waische"), stimmhafte Konsonanten. Das kann einerseits etwas spannungs- und kraftlos wirken, andererseits kann das Hessische dadurch auch etwas Entspanntes, "Gemütlisches" haben. Aber es polarisiert: Die einen mögen es, andere finden es grässlich.

Neben dem Klang spielen Assoziationen eine Rolle

Neben dem reinen Sound spielen auch Assoziationen eine Rolle, die wir mit bestimmten Dialekten verbinden. Denken wir bei Schwaben an "Kehrwoche", "Sauberkeit" und "Griffelspitzer", beeinflusst das ebenfalls die Sympathiewerte, je nachdem wie man sich selbst mit diesen Tugenden identifiziert. Das Sächsische wiederum war einst der staatstragende Dialekt der ehemaligen DDR, und auch das können manche noch nicht ganz ausblenden.

Die gleichen Umfragen, die für das Bayerische hohe Sympathiewerte ergeben, weisen das Sächsische regelmäßig als Schlusslicht in der Beliebtheitsskala aus. Zum Trost: Dieser Effekt verschwindet oft, wenn man sich in der entsprechenden Gegend länger aufhält.

Linguistik Wann gilt ein Dialekt als eigenständige Sprache?

Ob etwas Dialekt oder schon Sprache ist, entscheidet sich an zwei Punkten: Gibt es ein Kontinuum von einem Dialekt zu einem anderen? Dann würde man beide Dialekte einer gemeinsamen Sprache zuordnen. Vor allem dann, wenn sich beide Dialektgruppen über eine von beiden akzeptierte, gemeinsame Standardsprache verständigen. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

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Sprache Gibt es bei Tieren Dialekte?

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Sprache Welche ist die schwierigste Sprache der Welt?

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Sprache Warum ist es DIE Donau, aber DER Rhein? Wovon hängt das Geschlecht von Flüssen ab?

Was das Geschlecht von Flussnamen betrifft, ist die wichtigste Regel im Deutschen, dass es keine Regel gibt – anders als zum Beispiel im Lateinischen. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Linguistik Wie hat sich die Grammatik von Sprachen entwickelt?

Die Sprachentwicklung sieht man anhand von Spuren. Die Vergangenheitsform lautete zum Beispiel früher: „ich reden tat“, die heute zu dem Wort „ redete“ mit Endung verschliffen ist. Von Gábor Paál. Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Geschichte Darf man noch "Mitteldeutschland" sagen, wenn man den Osten meint?

Der Begriff „Mitteldeutschland“ hat eine wechselvolle Geschichte. Manche werden sich erinnern, dass er in der Zeit des Kalten Krieges auch als Synonym für die DDR verwendet wurde. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Derzeit gefragt

Klima Führt der Klimawandel zu mehr Erdbeben?

Kurzfristig nein, langfristig möglicherweise. Und die Frage ist völlig berechtigt. Denn wenn das Eis der Pole und Gletscher schmilzt, dann heben sich die Kontinentalplatten. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

Erdkern Woher weiß man, wie es im Inneren der Erde aussieht?

Man kann nur bis zu einer bestimmten Tiefe in die Erde hineingucken. Bis zum Mittelpunkt der Erde sind es 6.000 Kilometer. Die weltweit tiefste Bohrung geht aber nur bis in 12 Kilometer Tiefe. Von Gábor Paál | Text und Audio dieses Beitrags stehen unter der Creative-Commons-Lizenz CC BY-NC-ND 4.0.

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Haustiere Können Hunde schnarchen?

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