Heizungsregler in Nahaufnahme (Foto: IMAGO, imago/Panthermedia)

Kälteempfinden

Warum frieren manche schneller als andere?

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AUTOR/IN
Gábor Paál

Menschen nehmen Kälte unterschiedlich wahr. Das hat mit dem Körperbau zu tun. Aber das Kälteempfinden hängt auch von äußeren Umständen ab – die man beeinflussen kann.

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Kälteempfinden: Muskeln, Haut und Fett spielen eine Rolle

Das Kälteempfinden hängt von vielen Faktoren ab. Einer ist der Körperbau. Wer kräftige Muskeln hat, friert nicht so schnell, weil die Muskeln, auch wenn sie nicht stark beansprucht sind, Wärme produzieren.  Das ist auch ein Grund, weshalb tendenziell Frauen schneller frieren als Männer – sie haben im Schnitt nicht so viel Muskelmasse. Männer haben tendenziell auch eine dickere Haut – auch dadurch kühlen sie nicht so schnell aus. Ein anderer Faktor ist Fett: Ein Fettpolster hat eine isolierende Wirkung. Dickere Menschen haben bei Kälte also einen kleinen Vorteil.

Abhärtung: Kann man sich das Frieren abtrainieren?

Bis zu einem gewissen Grad schon. In Skandinavien oder Schottland sieht man häufiger Menschen mit kurzen Hosen und T-Shirts bei Temperaturen, bei denen das hierzulande eher unüblich ist. Wenn wir regelmäßig kalten Temperaturen ausgesetzt sind, bildet sich mehr Unterhautfettgewebe, dadurch werden wir weniger empfindlich. Auch regelmäßige kalte Duschen können einen solchen Effekt auslösen.

Hilft Bewegung gegen Frieren?

Auf jeden Fall. Bewegung hält warm. Also wer lange am Schreibtisch sitzt und anfängt zu frösteln, könnte mal die Treppe rauf- und runterlaufen oder einmal um den Block, das kann dann schon kurzfristig helfen. Ein bisschen Gymnastik oder Yoga helfen übrigens auch, wenn man abends im Bett kalte Füße hat – im Zweifel sogar besser als warme Socken.

Natürlich sollte man sich nicht verausgaben, denn die Muskeln produzieren bei Bewegung zwar Wärme, dadurch hört das Frieren auf. Aber der Körper gibt dann ja auch diese Wärme ab. Deshalb ist es auch hilfreich, wenn man sich mit Bewegung warmhält, darauf zu achten, dass die Wärme am Körper bleibt – also keine kurzen Sachen tragen oder sich, wenn man sich wieder an den Schreibtisch setzt, eine Decke über den Schoß legen. Aber grundsätzlich schützt Bewegung vorm Frieren – und das ist übrigens auch ein Grund, weshalb jüngere Menschen – vor allem Männer – oft nicht so schnell frieren wie ältere. Das klingt jetzt etwas klischeehaft, aber sie sind tendenziell „hibbeliger“, was die Muskeln eben auch aktiv hält.

Frieren wir mehr, wenn wir müde sind?

Ja, das ist so. Das liegt daran, dass der Körper dann auch etwas erschöpft ist und die Temperatur nicht mehr so gut reguliert. Zum anderen, dass er den Stoffwechsel insgesamt etwas runterfährt und dadurch eben auch weniger Wärme produziert.

Was kann man noch machen gegen das Frieren?

Die richtigen Stellen warmhalten. Die richtigen Stellen, das sind eben zum einen Rumpf und Oberschenkel – deshalb hilft die warme Decke auf dem Schoß. Zum anderen Kopf und vor allem Hals und Nacken: Denn dort haben wir die meisten Kälterezeptoren. Deshalb kann ein Schal oder Rollkragenpullover wirklich gegen das Frieren helfen. So wie umgekehrt bei sehr heißen Tagen ein nasses Tuch um den Hals eine kühlende Wirkung hat.

Warum warme Socken nur bedingt gegen kalte Füße helfen

Natürlich schützen warme Socken vor Kälte. Aber sie helfen meist nur wenig gegen die typisch kalten Füße, die man hat, wenn man friert. Denn kalte Füße kommen nicht nur daher, dass es speziell an den Füßen kalt ist. Sondern daher, dass der Körper, wenn es insgesamt kalt ist, die Extremitäten weniger durchblutet, um Energie zu sparen. Davon lässt er sich auch durch warme Socken im Zweifel nicht abbringen.

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