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Das ist wie bei einem Patienten, den Sie mit Blaulicht in die Klinik einliefern. Er wird behandelt und schließlich gesund entlassen, sodass man am Ende denkt, dass es vielleicht gar nicht so schlimm war.

Das Waldsterben war vor 30 Jahren wirklich sehr gravierend. Es ging nicht nur um das Waldsterben als Folge von sauren Niederschlägen oder Depositionen von Luftschadstoffen, sondern wir hatten z.B. in Schweden das Problem, dass die Seen gekippt sind, was ein großes Fischsterben zur Folge hatte. Wir sahen also in der Umwelt die Konsequenzen sehr hoher Schadstoffeinträge. Es gab sehr viele abgestorbene Bäume, z. B. im Erzgebirge wusste man, dass dies durch Nahemissionen verursacht worden war: Aus nahegelegenen Industriebetrieben gingen Depositionen auf die Wälder nieder; die Wälder starben großflächig ab.

Dieses Waldsterben führte dazu, dass die Politik sehr aktiv wurde. Es gab die Genfer Luftreinhaltekonvention und man hat sich sehr bemüht, die Schadstoffbelastungen der Luft herunterzufahren. Heute, 30 Jahre später, haben wir praktisch kein Problem mehr mit Schwefel in der Luft. Es gibt aber immer noch Relikte des Waldsterbens oder des sauren Niederschlages, denn diese enormen Niederschläge von saurem Regen haben sich im Waldboden akkumuliert; sie sind immer noch dort und die Böden müssen deshalb weiterhin behandelt werden. Viele Wälder werden noch gekalkt, um den pH-Wert zu stabilisieren, sodass die Nährstoffversorgung dieser Wälder erhalten bleibt.

Das Waldsterben war so eine Art Katalysator, sodass wir sehr schnell eine Luftreinhaltepolitik betrieben haben, die dann sehr erfolgreich umgesetzt wurde. Vielleicht hat der ein oder andere Wissenschaftler damals doch etwas laut gerufen und die wissenschaftliche Erkenntnis etwas überstrapaziert. Aber im Endeffekt war es gesellschaftlich durchaus erfolgreich, dass man das Waldsterben als Vehikel genommen hat, um die Luftqualität zu verbessern.