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Rolf-Bernhard Essig (Foto: Imago, SWR, imago/Lichtgut)

Bei Überraschung oder Empörung lässt man oft einen Stoßseufzer los, der häufig mit etwas Heiligem zu tun hat. Allerdings weiß man, dass man das Heilige eigentlich nicht missbrauchen soll. Daher gibt es sogenannte Ausweich- oder Hüllformeln. Man kann sagen "Heiliger Gott!" – aber an der Stelle kommt das Blech als eine Hüllformel hinein. Warum nun aber das Blech?

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Blechmarke als "Ausweis" für Bedürftige

Im Schwäbischen gibt es schon sehr lange den "heiligen Kasten". Das war die Kasse, aus der die Armen bezahlt wurden. Damit die städtischen Armen eines Ortes sich als approbierte bestätigte Bettler ausweisen konnten, bekamen sie eine Blechmarke. Die nannte man auch "heilig’s Blechle". Der Bezug sind also sowohl die Ausweichformel als auch die Einrichtung des späten Mittelalters im Schwäbischen.

Die Kirche hat sich damals darum gekümmert, dass die Leute aus dem heiligen Kasten – das war eine Art Almosenbehälter – etwas bekamen, sofern sie sich mit dem "heiligen Blech" ausweisen konnten.

Da diesen Zustand der Armut niemand anstrebte und arm werden wollte, passte dies sehr gut zu diesem Ausruf des Erstaunens, der Empörung oder der Verzweiflung.

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