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Signalfarben Rot und Grün sind meist gut zu unterscheiden

Am Anfang war erst mal nur Rot und Grün. Warum die beiden Farben? Der wichtigste Grund ist wohl, dass das die beiden wichtigsten Signalfarben sind. Es sind die Farben, auf die unser Auge am stärksten reagiert und die es gleichzeitig – wenn wir nicht gerade rotgrün- oder farbenblind sind – am besten unterscheiden kann.

Physiologisch kann man das gut erklären: Für die Farbwahrnehmung in unserem Auge sind bestimmte Sinneszellen auf unserer Netzhaut zuständig, nämlich die sogenannten Zapfen.

Verschiedene Zapfentypen

Von denen gibt es drei verschiedene Sorten, die heißen L-, M- und S-Zapfen. Was diese drei Zapfentypen vor allem unterscheidet, ist die Lichtfrequenz, auf die sie besonders stark reagieren. Das heißt, die L-Zapfen reagieren besonders stark auf rotes Licht, die M-Zapfen auf grünes Licht und die S-Zapfen auf blau-violettes Licht. Allerdings ist es so, dass die – nennen wir sie jetzt einfach: Rot- und Grün-Zapfen – sehr viel empfindlicher sind als die Blauzapfen. Das bedeutet umgekehrt, dass uns Rot und Grün als besonders intensive Farben erscheinen, die sehr stark wirken. Und weil unterschiedliche Zapfen zuständig sind, können wir eben auch diese Farben gleichzeitig gut unterscheiden – es sind ja auch Komplementärfarben.

Man kann jetzt spekulieren, warum die Natur unser Auge so eingerichtet hat. War es zum Beispiel für unsere Vorfahren wichtig, dass sie sofort gesehen haben, wenn irgendwer verletzt war und geblutet hat, sodass wir deshalb auf Rot so stark reagieren? Oder können wir Rot und Grün deshalb so gut auseinanderhalten, um rote Früchte zwischen grünen Blättern schnell zu finden? Das ist aber Spekulation.

Signalfarben schon zu den Anfängen der Eisenbahn

Das mit den Signalfarben begann schon lange vor den elektrischen Ampeln. Wenn man zum Beispiel an die Anfänge der Eisenbahn denkt: Da wurden noch farbige Scheiben oder Flaggen benutzt, auch Rot und Grün. Oder Gaslaternen, vor die eine rote oder grüne transparente Glasschreibe montiert war. Oder auch ganz durchlässiges Glas, das war dann eben ein weißes Signal.

Gelb wurde damals extra noch nicht genommen, weil man das leicht mit Weiß – oder auch mit Rot verwechseln konnte, wenn die Gaslaterne mal nicht so stark geflackert hat. Da wurde das Gelb schnell mal sehr rötlich, das war auch unpraktisch.

Im Vordergrund standen damals schon Rot und Grün und das wurde dann auch übernommen, als die ersten elektrischen Lichtsignalanlagen gebaut wurden, eben die Ampeln. Die allererste von dieser Sorte stand 1914 in Cleveland, Ohio. Auch die war schon rot und grün.

Weiß verschwand als Signalfarbe

Das Weiß hat sich noch in der Seefahrt gehalten, ansonsten aber ist es als Signalfarbe verschwunden, denn als das elektrische Licht kam und elektrische Lampen Einzug hielten in die Städte, da gab’s auf einmal so viele weiße Lichter, dass sich weiße Signallampen nicht mehr genug von anderen Lichtern in der Umgebung unterschieden haben.

Das war dann die Chance für das Gelb. Denn das elektrische Licht war ja jetzt so hell, dass es möglich war, ein gelbes Licht zu erzeugen, das sich klar und deutlich vom Rot abgegrenzt hat. Und so hat man dann auch, als die ersten dreifarbigen elektrischen Ampeln kamen, das Gelb zwischen das Rot und das Grün gesetzt – wo es ja auch im Spektrum der Regenbogenfarben hingehört.

So haben wir seit 1920 in Amerika und kurz darauf in Deutschland dreifarbige Ampeln in Rot, Gelb und Grün.

Rot, Grün und Gelb auch im politischen Spektrum

Wenn die evolutionären Theorien stimmen, dass wir deshalb auf Rot und Grün so stark reagieren, weil das was mit Blut zu tun hat bzw. mit dem Grün der Pflanzen, und wenn wir dann daran denken, dass das Rot der SPD bzw. überhaupt aller linken Parteien ursprünglich für das Blut der geschundenen Arbeiter stand, und dass die Farbe der Grünen natürlich etwas mit dem Grün in der Natur zu tun hat, dann gibt es da ja schon Verbindungen.

Die FDP hat sich das Gelb ja nicht ausgesucht, weil es irgendeine symbolische Bedeutung hat, sondern weil die Werbestrategen irgendwann in den 1970er-Jahren erkannt haben, dass mit der Signalfarbe Gelb die Wahl-Plakate stärker ins Auge stechen.

Insofern hätten die Farben auf der Straßenampel und die politischen Ampelfarben letztlich die gleichen evolutionären Ursprünge.