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Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

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Das ist natürlich ein Problem. Man stapft da durch die Antarktis, überall ist Eis, überall ist es kalt, es gibt keine Landkarten und ein GPS hatte der gute Mann auch noch nicht. Und dann gibt es nicht mal wie am Nordpol so etwas wie einen Polarstern. Also einen deutlichen Stern, der ziemlich genau überm Pol steht, gibt es am Südpol nicht. Das einzige, was man hat, ist die Sonne.

Was kann man mit der Sonne anfangen? Bei uns in Mitteleuropa ist es relativ einfach: Man misst einfach mittags um 12 Uhr den Sonnenstand, und wenn man weiß, was für ein Tag ist, kann man in Tabellen nachschauen und zumindest schnell feststellen, auf welchem Breitengrad man sich befindet. Aber auch das war für Amundsen nicht so einfach, denn die Tabellen gab es zwar. Allerdings ist der Begriff „Uhrzeit“ am Südpol ziemlich sinnlos, weil ja an den Polen alle Längengrade zusammenlaufen und damit auch alle Zeitzonen zusammenfallen. Und das macht sich ja auch ganz praktisch bemerkbar, nämlich dadurch, dass die Sonne den ganzen Tag über auf gleicher Höhe bleibt. – Die Pole sind ja die Punkte, an denen die Erdachse durchgeht, und wenn sich die Erde um die Achse dreht, sind die Pole die einzigen Punkte, die an der gleichen Stelle bleiben, sie drehen sich nur um sich selbst. Aber sie verändern ihre Position gegenüber der Sonne nicht, deshalb steht die Sonne während eines Tages erst mal die ganze Zeit weitgehend auf gleicher Höhe.

Ein bisschen geht sie dann aber doch rauf oder runter, und zwar abhängig davon, ob es gerade Winter wird oder Sommer. Das ist wie bei uns, bei Sommerbeginn steht die Sonne am höchsten, bei Winteranfang am niedrigsten, das ist beim Südpol auch so – nur eben mit dem Unterschied, dass bei uns die Tagesschwankungen dazu kommen, während es am Südpol, was den Sonnenstand betrifft, nur das Auf und Ab von Sommer und Winter gibt und sonst nichts (und was natürlich dann auch bedeutet, im Winter ist die Sonne am Südpol ein halbes Jahr lang gar nicht zu sehen, weil sie gar nicht erst aufgeht).

Das ist die schwierige Ausgangslage, und daraus wird schnell deutlich: Amundsen musste den Sonnenstand messen. Das macht man mit einem Sextanten, also einem Gerät, mit dem man messen kann, in welchem Winkel die Sonne über dem Horizont steht. Das hat er immer wieder gemacht um festzustellen, wo die Sonne insgesamt am niedrigsten steht und da erst mal hinzufinden, und dann an diesem Punkt noch mal festzustellen, dass sich dort die Sonne tatsächlich im Lauf eines Tages kaum bewegt, bzw. nur unmerklich auf oder ab, aber eben nicht innerhalb eines Tages sowohl rauf als auch runter. Da hat er dann tatsächlich drei Tage gemessen, rund um die Uhr.

Die Messergebnisse kann man heute übrigens noch nachlesen in Amundsens Reisebericht. Und wenn man sich die Ergebnisse anschaut, dann sieht es so aus, dass sich Amundsen zumindest in einem Radius von 2 Kilometern vom exakten Südpol aufgehalten hat. Und bei seinen Teamkollegen Olav Bjaaland und Helmer Hansen kann man den Radius sogar auf einhundert Meter um den Südpol eingrenzen. Das geht aber alles nur über den Sextanten.