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Die Himmelsscheibe von Nebra ist die früheste konkrete und richtige Darstellung des Nachthimmels. Daraus lässt sich zunächst einmal erkennen, dass die Menschen wohl schon immer sehr genau den Gang der Sterne und die Stellung der Sterne und auch des Mondes beobachtet haben.

Mittlerweile denken wir aber, dass die Himmelsscheibe eine Art Erinnerungssammelsurium für einen Kalender ist. Auf der Scheibe sind zumindest einige Daten festgehalten: Die Sommer- und die Wintersonnenwende, der Frühjahrsanfang und der Erntebeginn. Das sind also für das bäuerliche Jahr wichtige Daten. Sie lassen sich erkennen an den Plejaden, die im Frühjahr untergehen und im Herbst erscheinen. Aber wir denken noch darüber hinaus, dass es ein Memogramm sein könnte, um Sonnen- und Mondkalender zu vereinen.

Wenn man sich am Mond orientiert, dann hat das Jahr nicht 365 Tage, sondern elf Tage weniger. Das heißt also, nach drei Jahren ist man sozusagen mit dem Mond ja um einen Monat hinterher, und es würden sich Festtage zum Beispiel durch das ganze Jahr hindurchziehen, wie das ja auch in der muslimischen Welt der Fall ist, mit dem Ramadan zum Beispiel. Wenn man aber auf das Sonnenjahr angewiesen ist wegen der Ernte, möchte man vielleicht den Mond für die Kurzzeitchronologie oder für den Kurzzeitkalender verwenden und das Sonnenjahr für das Überleben, nämlich für Aussaat und Ernte.

Diese Scheibe enthält Informationen, um diese beiden Kalendersysteme in Übereinstimmung zu bringen, indem man nämlich alle drei Jahr einen Schaltmonat einfügt. Eine ähnliche Vorschrift wurde in Mesopotamien Anfang des ersten Jahrtausends vor Christus schriftlich festgehalten. Sie geht wahrscheinlich auf älteres Wissen zurück. Und das könnte ein Anzeichen dafür sein, dass es doch eine Verbindung gegeben hat zwischen Mitteleuropa und den Kenntnissen Mesopotamiens. Dass an so weit entfernten Orten diese Kenntnisse unabhängig voneinander entwickelt worden sind, halte ich für weniger wahrscheinlich.