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Die Archäologie kann zum Trojanischen Krieg nur sehr wenig beitragen. Wir haben zwar Anzeichen von Brandspuren. So ist zum Beispiel ein Haus, das außerhalb der Zitadellenmauer liegt, im fraglichen Zeitraum – wir denken, dass um 1180 tatsächlich eine größere Auseinandersetzung stattgefunden hat, die vielleicht den Trojanischen Krieg beschreibt –niedergebrannt worden. Aber Troja hat mehrfach solche Ereignisse überlebt, es gibt viele Brandspuren, sodass also die genaue Datierung einer großflächigen Zerstörung noch umstritten ist. Aber etwa um 1180 geht die Blütezeit des spätbronzezeitlichen Troja wieder zu Ende, und es kommen neue Bevölkerungselemente nach Troja. Das kann man so interpretieren, dass tatsächlich ein Teil der ursprünglichen Bevölkerung die Stadt verlassen hat, dass neue Leute dazu gekommen sind, die einen ganz anderen Baustil und Keramikstil gehabt haben. Wir müssen sehen, dass in der Ilias wahrscheinlich Erinnerungselemente enthalten sind an eine große, epochale Auseinandersetzung, dass aber die Details, die in der Ilias beschrieben sind, mit der Archäologie weder bewiesen noch widerlegt werden können. Allerdings: Der Hintergrund, also die Szenerie, vor der dieses Geschehen sich abspielt, ist sehr stimmig mit den heute noch zu erkennenden Ruinen in Übereinstimmung zu bringen.

Das Trojanische Pferd ist ein Mythos. Es ist in der Odyssee beschrieben worden, wie die Griechen - oder die Achäer eigentlich, das mykenische Griechenland - die Stadt dann tatsächlich eingenommen haben durch eine Kriegslist. Diese Geschichte einfach so gut, dass sie bis heute wirkt: Alle kennen die Trojaner, die nicht auf unseren Computer kommen sollen, aber wir können nur sagen, dass Troja mit der Pferdezucht in der Ilias ständig verbunden wird, dass wir in Troja in der späten Bronzezeit – das ist ja die Zeit, als das Pferd domestiziert wurde – auch sehr viele Pferdeknochen gefunden haben. Also, Troja und Pferd gehören schon zusammen. Aber ob es ein Trojanisches Pferd als Kriegslist gegeben hat – das können wir nicht sagen.

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