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Die Dinge ändern sich, und so haben auch die Heimatlieder ihre ganz bestimmte Entstehungsgeschichte. Die meisten Heimatlieder stammen nicht aus Zeiten, als die Heimat noch genau so schön war, wie sie da besungen wird, sondern aus einer Verlusterfahrung heraus. Lieder wie "Am Brunnen vor dem Tore" oder "Im schönste Wiesengrunde" entstanden alle in der Zeit der Industrialisierung – zu einem Zeitpunkt also, als es die Idyllen, die in den Liedern beschrieben wurden, gar nicht mehr gab. Darum haben diese Lieder auch so etwas Weinerliches, Gefühlsseliges an sich.

Heimat ist ein Thema, das mal mehr, mal weniger Konjunktur hat. Wer in den 1950er-Jahren in die Schule gegangen ist, hat diese Heimatlieder noch aus einem weiteren Grund sehr intensiv miterlebt. Denn damals hatten sehr viele Menschen ihre Heimat verloren und rund 12 Millionen von ihnen kamen dann "aus Deutschland nach Deutschland" und mussten dann hier integriert werden – in einem anderen Zusammenhang heute wieder ein hochaktuelles Thema. Da hatte das Thema Heimat Konjunktur. Es gab Heimatfilme, Heimatfilme.

Später hat sich das wieder ein bisschen verloren; allerdings wird heute das Thema Heimat wieder neu thematisiert.