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Lebendig und verführerisch: Werbekampagne der 1970er-Jahre

Hierzu könnte man alle möglichen Spekulationen anstellen: War die Stadt einst berühmt für ihre Apfelbäume? Nein. Mit der Computerfirma von Steve Jobs kann es auch nichts zu tun haben, denn die kam erst später und ist an der Westküste angesiedelt.

Schon Anfang der 1970er-Jahre gab es eine große Werbekampagne, um Touristen anzuziehen. Da wurde das zum Slogan des Stadtmarketings. „Big apple“ sollte sich einprägen, der Apfel in den Prospekten zum wiedererkennbaren Logo werden. Der rote, knackige, saftige Apfel sollte stehen für eine vor Leben strotzende, vielleicht auch verführerische Stadt – und das hat sich eingeprägt.

Früheste Quelle mit Verweis auf den Apfel: Buch von 1909

Allerdings haben sich das die Marketingleute nicht einfach so ausgedacht; der Ausdruck „Big Apple“ war schon vorher da. Die erste Erwähnung findet sich im Jahr 1909. Damals erschien ein Buch des Schriftstellers Edward S. Martin – er war unter anderem Herausgeber des Life Magazines. Das Buch hieß „The wayfarer“. Darin findet sich ein Zitat über die Leute aus dem Mittleren Westen, aus Kansas, die New York als eine gierige Stadt betrachten und finden, dass „der große Apfel“ – eben New York, "einen unangemessen großen Anteil des nationalen Saftes abbekommt" . Das ist die früheste Quelle, in der New York als Big Apple bezeichnet wird.

Pferdesport und Jazz greifen den Ausdruck schon früh auf

Der Ausdruck war also wohl schon gängig, wurde von verschiedenen Seiten am Leben gehalten. Da war zum einen der Pferderennsport der 1920er-Jahre. Pferderennen waren in New York sehr beliebt. Und die Preise für die Sieger waren entsprechend hoch. Und wer da gewonnen hat, von dem hat man gesagt, er habe den Big Apple gewonnen.

Das allein hätte sich aber vielleicht noch nicht so in den Köpfen festgesetzt, wenn es nicht einen Sportjournalisten beim New York Morning Telegraph geben hätte: John Fitz Gerald benannte nach diesem Umstand seine regelmäßige Pferdesport-Kolumne: „Around the Big Apple“. Er sagt, er hätte das in New Orleans aufgeschnappt, wo die Pferderennen etwas niedriger dotiert waren und wo die Reiter und ihre Stallknechte neiderfüllt von New York als der Stadt sprachen, wo man ordentlich abkassieren konnte – wo es den Big Apple zu gewinnen gab. Da dachte man wohl auch an die Pferde, die sich beim Rennen einen großen Apfel verdient haben, aber gemeint war natürlich das große Geld, das ihre Reiter mit nach Hause getragen haben.

Später haben dann Jazzmusiker den Ausdruck aufgegriffen. Es gibt viele Jazz-Stücke der 1930er-Jahre, wo New York als Big Apple bezeichnet wird.

Der Begriff hat sich also offenbar schon früh eingebürgert – bevor er dann in den 1970er-Jahren von der Stadt aktiv fürs Marketing benutzt wurde.