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Den Ausdruck kannten offenbar schon die alten Römer, für die das Daumendrücken zu tun hatte mit jemandem Glück wünschen, jemanden in Gedanken unterstützen. Belegt wird das durch ein Zitat des römischen Naturforschers Plinius des Älteren. Der hat im ersten Jahrhundert nach Christus das gesammelte naturkundliche Wissen der damaligen Zeit zusammengetragen, und in dieser Art Enzyklopädie gibt es ein Kapitel über Heilmittel. Dort findet sich der Satz: Pollices, cum faveamus, premere etiam proverbio iubemur. „Schon das Sprichwort fordert uns auf, die Daumen zu drücken, wenn wir jemandem geneigt sind“. Dieser Satz lässt darauf schließen, dass es schon damals ein entsprechendes Sprichwort bzw. eine Redensart gegeben hat.

Das Drücken des Daumens war offenbar auch eine übliche Geste bei Gladiatorenkämpfen. Oft hört man, dass das Publikum bei diesen Kämpfen auch mit dem Daumen über das Schicksal von Gladiatoren abgestimmt hat, wobei sehr umstritten ist, ob es wirklich so war, wie es oft dargestellt wird: Also ob das berühmte „Daumen hoch“ den Wunsch nach Gnade ausdrückte und „Daumen runter“ ein Todesurteil zum Ausdruck bringen sollte – das ist historisch nicht klar überliefert und manches spricht dafür, dass es umgekehrt war. Aber mit dem gedrückten Daumen brachte das Publikum offenbar seine Sympathie für einen Gladiator zum Ausdruck und somit auch seinen Wunsch, dass dieser Gladiator am Leben bleibt.

Aus dieser Zeit hat sich das Daumendrücken übers Mittelalter bis in die heutige Zeit gerettet. Interessant übrigens wie auch manch andere Geste – wir haben an dieser Stelle schon einmal die Frage beantwortet, wie der Mittelfinger zum Stinkefinger [https://www.swr.de/blog/1000antworten/antwort/3552/wieso-ist-der-mittelfinger-der-boese-stinkefinger/] wurde. Da hat sich rausgestellt, dass auch diese Geste auf die alten Römer zurückgeht.