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„Spätrömisch“ – das bezeichnet einen Zeitraum von 500 bis 600 Jahren. Aber das kann ja nicht einfach „dekadent“ sein, zumal die römische Kultur eine der erfolgreichsten Kulturen ist, die die Weltgeschichte überhaupt kennt.

Von Dekadenz spricht man häufig in Bezug auf zwei Epochen der römischen Geschichte. Das eine ist die späte römische Republik, etwa im 1. Jahrhundert vor Christus. Da wissen wir viel von Caesar, Sex und Völlerei. Die Römer fangen an, sich mit der Feder im Hals zu kitzeln, damit sie noch mehr essen können. Das kann man meinetwegen „dekadent“ nennen.

Zum anderen gibt es die Zeit der Spätantike oder des spätrömischen Reiches, das Ende der Kaiserzeit. Das fängt im 4. bis 5. Jahrhundert an. Auch in diesem Zusammenhang spricht man gerne von Dekadenz und sagt, die Römer seien ein bisschen „abgeschlafft“, während die Germanen stärker geworden seien. Dann kommt die Völkerwanderung und das Römische Reich geht unter. Das assoziiert man mit dem Begriff „Dekadenz“.

Bei all diesen Phänomenen kann man jedoch beobachten, dass es sich bei den Leuten, die dekadent waren, keinesfalls um Menschen auf dem Niveau von Hartz-IV-Empfängern handelte. Sondern im Gegenteil: Es waren die besonders Reichen, die sozialen und ökonomischen Eliten, die sich als besonders dekadent hervorgetan haben.

Es gibt eine schöne Schrift von einem Autor namens Petronius aus dem 1. Jahrhundert nach Christus über einen besonders reichen Freigelassenen namens Trimalchio. Darin kann man etwas über römische Dekadenz lernen. Aber die würde ich nicht bei Hartz-IV-Empfängern suchen, sondern bei den Leuten, für die unsere Regierung diesen sogenannten Rettungsschirm aufgespannt hat. Diese Leute, die heute noch mit vielen Millionen Einkünften aus ihren Bankjobs nach Hause gehen.