1000 Antworten Warum beziehen sich viele Sprichwörter auf den Körper, etwa "Das geht mir an die Nieren"?

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Es gibt einen Kollegen, der ein ganzes Buch darüber geschrieben hat [Anm. d. Red.: Helmut A. Seidl, "Medizinische Sprichwörter"]. Er geht auch der Tatsache nach, dass damit bestimmte Heilungsvorschläge verbunden sein können oder Ratschläge, wie man gesünder leben könnte. Und immer wieder auch die Beziehung von bestimmten Verhaltensweisen auf innere Abläufe. Da ist zum Beispiel die Laus, die einem über die Leber läuft, oder dass jemand eine beleidigte Leberwurst ist, oder dass jemand einen Spleen hat. Auch die Niere gehört mit dazu, alle diese inneren Organe sind mit den Stimmungen verbunden worden. Wenn da alles im Gleichgewicht ist, dann ist jemand auch gesund, dann geht es ihm gut. Die Nieren sind schon in der griechischen Zeit ein erstens verletzlicher Teil des Körpers und zweitens einer, der besonders schmerzhaft sein kann. Und wenn einem etwas an die Nieren geht, dann spürt man das besonders unangenehm, besonders stark. Physiologisch reagieren wir auf ganz viele Sachen. Wenn ich sage: „Mir platzt die Hutschnur“, dann ist das, als hätte ich vor lauter Ärger so einen geschwollenen Kopf, dass der mein Hutband zum Platzen bringen würde. Solche Dinge gibt’s sehr viele. „Der Frosch, der einem im Hals stecken bleibt“ oder „das Herz schlägt mir schneller“. Wir kennen die Übertragung von körperlichen Gefühlen, kennen das Bauchgefühl, die Schmetterlinge im Bauch, wobei das die Schriftstellerin Florence Converse 1905 erfunden hat. Solche Übertragungen von inneren Gefühlen, von Eingeweiden auf Redensarten, gibt es Tausende.