Gehirn Warum ist Gähnen ansteckend?

Dauer

Beweisen kann man es nicht genau, aber es hängt wohl mit den sogenannten Spiegelneuronen zusammen. Das sind bestimmte Gehirnstrukturen, die man zumindest bei Affen und Menschen finden kann. Die zeichnen sich dadurch aus, dass sie nicht nur aktiv sind, wenn man selbst eine bestimmte Tätigkeit ausführt, sondern auch wenn man sieht, wie es jemand anderes tut. Mir selbst ging es zum Beispiel als Schüler immer so, wenn wir im Sportunterricht Hochsprung gemacht haben: Immer wenn einer vor mir in der Reihe abgesprungen ist, hat’s auch in meinem Bein gezuckt und ich musste mich beherrschen, dass mein Bein nicht auch abhebt. Als dann vor 15 Jahren diese Spiegelneuronen entdeckt wurden, hatte ich endlich eine Erklärung, warum das so ist.

Und auf ähnliche Weise bewirken Spiegelneuronen offenbar, dass wenn wir jemanden Gähnen sehen unser Gehirn sozusagen denkt: „Stimmt eigentlich, danach ist mir auch gerade“ und einen entsprechenden Impuls sendet.

(dpa) - Hat sich auch der japanische Regierungschef Shinzo Abe anstecken lassen? (Foto: dpa)
(dpa) - Hat sich auch der japanische Regierungschef Shinzo Abe anstecken lassen? dpa

Kann man das beweisen?

Es gibt zumindest Hinweise. Diese Spiegelneuronen sind ja nicht nur bei Bewegungen aktiv, sondern sie werden heute auch für ein wesentliches Merkmal des menschlichen Geistes verantwortlich gemacht, nämlich dass wir uns in andere einfühlen können und dass wir aus Gesichtern ablesen können, oder auch aus der Art, wie jemand spricht, aus der Stimme, dass wir daraus ablesen können, wie es anderen geht. Das können wir, weil die Spiegelneuronen die Geisteszustände des Gegenübers in gewisser Weise abbilden.

Und jetzt haben vor ein paar Jahren britische Forscher Experimente gemacht. Sie haben zum Beispiel in einen Warteraum Testpersonen gesetzt. Und dann hat sich einer aus dem Forschungsteam incognito dazugesetzt und hat demonstrativ lange und ausgiebig gegähnt. Die Forscher haben beobachtet, wer fängt an mitzugähnen und wer nicht? Dann haben sie mit den gleichen Testpersonen hinterher einen psychologischen Test gemacht, bei dem die Fähigkeit getestet wurde, wie gut sich jemand in den Gemütszustand eines anderen hinein versetzen kann. Und heraus kam, die Leute, die sich vom Gähnen eines Mitmenschen besonders anstecken lassen, die haben auch haben auch hohe Empathiewerte, haben also ein ausgeprägtes Einfühlungsvermögen. Und umgekehrt, die Leute, die im psychologischen Test ein schlechtes Einfühlungsvermögen gezeigt haben, waren entsprechend auch relativ immun gegen die Gähn-Attacken, ließen sich also nicht anstecken.