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Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

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Deutsche Männer trinken mehr als sechsmal so viel Bier wie die Frauen. Die Gründe sind unklar. Zum einen trinken Männer grundsätzlich mehr Alkohol. Aber beim Bier sind die Unterschiede besonders auffallend. Der Durchschnittsdeutsche trinkt einen Viertelliter Bier am Tag, die Durchschnittsdeutsche dagegen gerade mal 40 ml.  Bei beiden – Männlein und Weiblein – ist der Bierkonsum zwischen 18 und 24 am höchsten. Aber das Verhältnis bleibt eigentlich über verschiedene Altersgruppen relativ konstant bei ungefähr 6:1. Ganz anders als beim Wein, wo der Unterschied zwischen Männern und Frauen relativ gering ist.

Schmecker und Superschmecker

Eine schlüssige Erklärung gibt es dafür nicht. Man könnte ja vermuten, Frauen mögen es nicht so bitter. Das lässt sich aber leicht durch ein Gegenbeispiel widerlegen, nämlich Kaffee – der ist bei Männern und Frauen fast gleich beliebt. Frauen haben auch nichts gegen Grapefruit oder Bitterschokolade – also rein am bitteren Geschmack kann die mutmaßliche Ablehnung von Frauen gegenüber Bier nicht liegen. Allerdings: Bitter ist nicht gleich Bitter. Die Geschmackszellen für Bitterstoffe unterscheiden sich. Und es gibt insbesondere eine Art von Bitterstoffen, die recht gut untersucht ist, nämlich eine Verbindung, die sich Phenylthiocarbamid nennt, oder kurz PTC. Das ist ein Bitterstoff, bei dem man herausgefunden hat, dass die Geschmacksempfindlichkeit ihm gegenüber genetisch bedingt ist. Es gibt PTC-Schmecker und Nicht-Schmecker oder sogar Superschmecker, die auf diesen Bitterstoff sehr empfindlich reagieren und das Gesicht verziehen. Und unter diesen Superschmeckern sind mehr Frauen als Männer. Trotzdem ist der Unterschied nicht so groß, dass er das Geschlechter-Verhältnis 6:1 beim Bierkonsum erklären würde. Und zweitens ist dieser spezielle Bitterstoff im Bier ohnehin nicht drin. Insofern taugt auch das nicht als Erklärung.

Sozialisierung könnte eine Rolle spielen

Professor Wolfgang Meyerhof, Geschmacksforscher und Molekularbiologe am Deutschen Institut für Ernährung in Potsdam, vermutet deshalb, dass die unterschiedliche Affinität zum Bier eher etwas mit Sozialisierung zu tun hat. Dass das Bier in Männerrunden einfach mehr dazu gehört,, Bier-Werbung stärker die Männer anspricht und so weiter. Falls es doch andere biologische Gründe geben sollte, hat man sie jedenfalls offenbar noch nicht gefunden.