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Sie sind sehr zuverlässig, wenn Menschen die Möglichkeit hatten, ihre Intelligenz zu entwickeln. Es wäre zum Beispiel völlig unfair und auch nicht aussagekräftig, wenn ich einen Intelligenztest Menschen vorgebe, die nie die Chance hatten, lesen und schreiben zu lernen und die keine Schule besucht haben. Die haben das Material nicht kennengelernt; haben nicht gelernt, mit Zahlen und Buchstaben umzugehen. Die können die besten Gene mitbringen, aber sie hatten eben nicht die Möglichkeit, ihre Intelligenz wirklich zu entwickeln.

Wenn man aber bei Menschen, die optimal gefördert wurden, mit denen gesprochen wurde, die in der Schule lesen und schreiben gelernt haben, die in der gleichen Klasse gesessen haben feststellt, dass manche besser in einem Test abschneiden als andere, dann lassen sich schon Rückschlüsse auf die Intelligenz ziehen.

Deshalb ist es wichtig, dass man nicht einfach naiv irgendwelche Intelligenztests vorgibt. Das wurde in den 1930er-Jahren einmal gemacht; da ging es um die Frage, ob Menschen, die in traditionellen Kulturen aufgewachsen sind, z.B. in Afrika, weniger intelligent sind. Man ist dann mit einem nichtsprachlichen Intelligenztest dahin gezogen, bei dem man Gemeinsamkeiten zwischen Figuren feststellen musste. Und siehe da, die Menschen haben schlechter abgeschnitten. Damals hat man messerscharf daraus geschlossen, dass diese Menschen nicht so intelligent sein können. Das war allerdings kein sehr intelligenter Schluss, wie wir heute wissen, weil natürlich auch der Umgang mit Dreiecken, Vierecken oder Kreisen von der Lerngelegenheit abhängig ist.

Man darf also nur Intelligenztests vorgeben (beziehungsweise das Ergebnis interpretieren) bei Menschen, die wirklich alle Chancen hatten, ihre Intelligenz zu entwickeln. Dann aber können sie sehr aussagekräftig sein.