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Auch wenn viele die Sommerzeit mögen, wäre sicher nicht jeder im Winter so glücklich damit, wenn es im Dezember zum Beispiel erst morgens um halb 10 hell würde – denn das wäre der Fall, wenn die jetzige Sommerzeit auch im Winter gelten würde.

Richtig ist: Die Zeitumstellung macht vielen Leuten zu schaffen, vor allem, wenn sie ohnehin schon unter Schlafstörungen leiden. Andererseits stellen wir ja fast jede Woche unseren Tagesablauf um: vom Werktagsrhythmus, wo wir früher aufstehen und früher schlafen gehen, aufs Wochenende, wo sich der Ablauf etwas nach hinten verschiebt. Insofern müsste man darauf vielleicht auch nicht allzu viel Rücksicht nehmen.

Aber gut, wenn wir das Argument mit der Zeitumstellung ernst nehmen, dann sagen manche Schlafforscher auch: Wenn man schon eine Zeit als Normalzeit einführt, dann sollte es die Winterzeit sein, weil die eher unserem biologischen Tagesrhythmus entspricht. Auch da bin ich nicht sicher, ob man das so pauschal sagen kann: Erfahrungsgemäß ist das individuell sehr unterschiedlich, es gibt Morgenmuffel und Nachteulen, und unser Tagesverlauf richtet sich ohnehin nicht nach der Sonne: Wir stehen nicht mit den Hühnern auf und unsere Abendgestaltung ist auch weitgehend unabhängig von der Zeit des Sonnenuntergangs, insofern sollte das vielleicht auch nicht das entscheidende Argument sein.

Aber es gibt ja noch andere Aspekte – zum Beispiel wurde die Sommerzeit ja eingeführt, um Energie zu sparen. Greift dieses Argument noch?

Nein, das gilt heute als widerlegt. Es ist zwar richtig: Wenn es im Sommer abends länger hell ist, machen wir später die Lichter an. Dieser Effekt wird aber durch andere Effekte wettgemacht. Wenn zum Beispiel im März die Sommerzeit eingeführt wird, wird es morgens später warm, dadurch wird mehr geheizt. Zum anderen zeigen Studien, dass die Sommerzeit auch zu mehr abendlichen Aktivitäten einlädt, die Leute also mehr mit dem Auto herumfahren. Beides zusammen macht die Energieersparnis durch die längere Helligkeit wieder zunichte. Ganz gut konnte man das beobachten im US-Bundesstaat Indiana. Dort wurde im Jahr 2006 die Sommerzeit eingeführt, und da konnte man vorher und nachher gut vergleichen. Ergebnis: Ökologisch bringt die Sommerzeit nichts.

Und wenn man jetzt aber doch was an der Sommerzeit ändern wollte – ginge das überhaupt politisch?

Schwierig, denn die Sommerzeit beruht heute auf einer europäischen Richtlinie! Eine Änderung müsste auf europäischer Ebene entschieden werden. Bei 27 Mitgliedstaaten in der EU wünsche ich jedem, der hier versucht, einen Konsens herzustellen, viel Vergnügen.