1000 Antworten Warum können Eisläufer sich so häufig drehen ohne dass ihnen schwindlig wird?

Dauer

Sie benutzen einen Trick; den gleichen Trick, den auch Kunsttänzer benutzen: Sie suchen sich einen markanten Punkt irgendwo im Sichtfeld, möglichst in der Richtung, in der sie ganz am Ende wieder landen wollen. Diesen Punkt fixieren sie mit den Augen, sobald sie ihre Drehung beginnen. Damit sorgen sie dafür, dass sich der Kopf nicht gleichmäßig mit dem Körper mitdreht, sondern für einen großen Teil der Drehung starr in eine Richtung schaut.

Erst im letzten Moment, wenn es nicht mehr anders geht, ziehen die Tänzer den Kopf blitzschnell nach, bis sie wieder den gleichen Punkt fixieren wie am Anfang. Das Ziel ist, dass sie auf diese Weise das Gleichgewichtsorgan im Innenohr möglichst stabil halten und keiner Dauerdrehung aussetzen.

Grundlage des Gleichgewichtssinns sind ja winzige haarförmige Sinneszellen in unserem Innenohr. Diese Sinneszellen stehen in Kontakt mit einer Flüssigkeit. Die Flüssigkeit im Innenohr ist somit der Sensor für all unsere Kopfbewegungen. Schwindlig wird uns immer dann, wenn wir uns ein paar Mal kräftig drehen – dann kommt die Flüssigkeit im Ohr ins Rotieren – und dann plötzlich die Drehung unterbrechen und stehen bleiben. Dann nämlich rotiert die Flüssigkeit – sie ist ja träge – eine Weile weiter. Deshalb haben wir das Gefühl, wir drehen uns weiter, während der Körper steht.

Und dieser Widerspruch zwischen den Signalen erzeugt das Schwindelgefühl. Wenn Sie dagegen – wie die Eiskunstläufer – den Kopf in der Drehung für die meiste Zeit ruhig halten und erst im letzten Moment herumdrehen, kommt die Flüssigkeit gar nicht erst so sehr in Schwung.

Das heißt, so kann man das Gleichgewichtsorgan überlisten – und behält wahrscheinlich nebenbei auch die Orientierung ...?

Genau, die Kunstläufer müssen sich ja nicht nur möglichst schnell drehen, sondern auch in der richtigen Richtung wieder landen und weitergleiten. Auch dazu hilft dieser Fixier-Trick. Vögel nutzen übrigens einen ähnlichen Trick. Man kennt das von manchen Vögeln – Hühnern z.B. – dass sie mit dem Kopf so scheinbar ruckartige Bewegungen machen. Das machen sie nicht aus Tolpatschigkeit, sondern weil es ihnen erlaubt, mit den Augen möglichst lange ein Objekt zu fixieren und damit auch während einer Bewegung scharf zu sehen.

Also bei denen geht es nicht darum, Schwindelgefühle zu vermeiden, sondern darum scharf zu sehen, aber das Prinzip ist das gleiche: Den Kopf ruhig halten, damit die Augen möglichst lange ein Objekt fixieren und erst im letzten Moment die Position des Kopfes verändern.