1000 Antworten Kann man Demenz aufhalten?

Dauer

Wenn tatsächlich eine Demenz vorliegt, dann ist das ein ganz langer, schleichender Prozess. Es gibt vorerst schon einmal eine Latenz, also eine Vorlaufphase, in der man davon gar nichts mitkriegt. Weder der Betroffene selbst noch sonst irgendjemand. Alleine diese Phase geht schon 15 bis 30 Jahre.

Und wenn diese dann vorbei ist und wirklich Ausfallerscheinungen auftreten, der Mensch also in einer frühen Phase der Demenz ist, heißt dies: Die Demenz ist ganz sicher nicht mehr irgendwie rückgängig zu machen. Trotzdem kann man versuchen, dem Menschen eine möglichst anregende, geschützte Umgebung zu bieten, ihn immer wieder mit Dingen zu konfrontieren, die ihm Spaß machen, ihn anzuregen, dass er sozial aktiv ist und sich nicht zurückzieht.

Was Sie nicht tun sollten, ist, ihn zu stressen, zu trainieren und dauernd Sachen zu fragen, mit denen er überfordert ist und wo er dauernd feststellt: Kann ich nicht mehr, weiß ich nicht mehr. Das wäre völlig kontraproduktiv. Aber alles in Richtung positive Anregung nutzt auf jeden Fall.

Das heißt, mit einer geistigen und körperlichen Aktivität lässt sich der Demenz entgegenwirken?

Ja, Sie können eine Demenz dadurch prinzipiell nicht aufhalten, sehr wohl aber können Sie die Anzeichen einer Demenz sehr viel weiter nach hinten schieben. Und um noch hinzuzufügen: Nicht jede Alzheimer Demenz muss ja bis zum bitteren Ende durchgemacht werden: Es kann gut sein, dass ein Mensch mit 80 dement wird, und dann ist er vielleicht in einer frühen Phase und stirbt mit 83 oder 84 Jahren und hat die ganz schlimme Phase gar nicht mitgemacht.

Das A und O ist also ein möglichst positiver Umgang, ein positives Feedback? Also wenn man beispielsweise aufzeigt, welche Dinge noch funktionieren und versucht, mit dem Rest, der noch bleibt positiv umzugehen?

Völlig richtig. Es ist wichtig, dem Menschen immer wieder zu zeigen: Wir mögen Dich, Du kannst noch etwas. Es ist wie mit dem halbleeren oder halbvollen Gals: Man spricht hier von einer Ressourcen- statt von einer Defizitorientierung. Und um es mit einem ganz einfachen Beispiel plastisch zu verdeutlichen, kann man etwa beim Schuheanziehen sagen: Prima, den einen Schuh hast Du ja schon an, ich helfe Dir noch mit dem anderen.

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