Gesundheit Ist Kreidestaub gesundheitsschädlich?

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Kaum Studien zur Verträglichkeit von Kreidestaub

Diese Frage betrifft wohl viele Millionen Lehrer weltweit. Und die Zahl der potenziell betroffenen Schüler ist noch viel größer – allerdings sind die Lehrer naturgemäß stärker exponiert, weil sie oft einen Großteil der Unterrichtszeit mit Kreide etwas an die Tafel schreiben. Doch obwohl so viele Menschen betroffen sind, gibt es doch vergleichsweise wenig Studien zu genau dieser Frage: Ist das Einatmen von Kreidestaub bedenklich? 

Ein paar Untersuchungen habe ich immerhin gefunden. Eine stammt aus Indien und hat erstmal die simple Frage gestellt: Wie viel Kreide ist normalerweise überhaupt in der Luft? Die typische Situation ist ja: Man schreibt etwas an die Tafel. Der meiste Teil der Kreide bleibt an der Tafel. Ein Teil wird aber beim Schreiben zerrieben und fällt früher oder später zu Boden. Bevor der Staub zu Boden fällt, schwebt er in der Luft.

Die Forscher konnten zeigen, dass der Staub sich immerhin lange genug in der Luft hält, dass der- oder diejenige, die unmittelbar an der Tafel steht, auch einiges davon einatmet. Vor allem wenn er oder sie zusätzlich beim Schreiben den Mund offen hat.

Schulkreide besteht aus Gips

„Kreide“ ist im geologischen Sinn keine Kreide, wie man sie an den Kreidefelsen von Dover oder Rügen findet – die besteht aus Calcit, also feinem Kalkstein. Schulkreide dagegen besteht in erster Linie aus Gips. Gips ist Kalziumsulfat – ein gesundheitlich unbedenkliches Material. Giftig in dem Sinn, dass es Langzeitschäden verursacht, ist es nicht. In der Regel nimmt man auch nicht solche Mengen auf, dass die Lunge damit nicht fertig wird. Es sei denn, sie ist ohnehin schon angeschlagen, zum Beispiel, weil man eine Erkältung hat oder die Bronchien entzündet sind.

Staubfreie Produktion mittels Kasein

Um aber auch das zu vermeiden – und weil der Kreidestaub eh lästig ist – sind die Kreidehersteller schon vor einiger Zeit dazu übergegangen, Kreide möglichst staubfrei zu produzieren. Um das zu erreichen, wird der Kreide aber oft ein anderer Stoff beigemischt, nämlich Kasein. Kasein ist ein Milcheiweiß.

Eine Studie hat gezeigt, dass dieses Kasein wiederum ein Problem für Allergiker darstellen könnte. Eine Studie mit Schülern unterschiedlichen Alters kam zu dem Ergebnis: Bei Kindern, die eine Milchallergie haben, könnte das Einatmen von Kreidestaub allergische Reaktionen hervorrufen, unter Umständen sogar Asthma begünstigen. Zumindest sind einzelne Fälle belegt. Die Zahl der untersuchten Kinder ist allerdings noch zu gering, um sagen zu können, welche Rolle die Kreide dabei wirklich gespielt hat.

Vorsicht bei Milchallergie

Trotzdem könnte man daraus den Ratschlag ableiten: Wer eine Milchallergie hat, sollte vielleicht dem Staub möglichst aus dem Weg und beim Schreiben nicht noch extra nah an die Tafel gehen.

Inzwischen gehen ja auch immer mehr Schulen von den klassischen Tafeln zum Whiteboard über – wo sich das Problem ja auch nicht stellt.