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Rolf-Bernhard Essig (Foto: Imago, SWR, imago/Lichtgut)

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Ohne ihn geht es nicht im Advent. Ohne ihn gäbe es keine Weihnachtsgeschichte: Joseph. Wer hätte schließlich Maria vor Schande bewahrt? Wer hätte sonst seinen Mann an der Krippe gestanden, obwohl es nicht ums eigene Kind ging? Wer hätte klug geträumt, dass nur eine rasche „Flucht nach Ägypten“ das Jesulein vor „dem bethlehemitischen Kindermord“ schützen könnte? Übrigens auch zwei redensartliche Wendungen im Weihnachtsumfeld.

Und doch wurde Joseph gar nicht so selten stiefmütterlich oder spöttisch behandelt oder in Redewendungen auf seine seltsame Rolle reduziert. Am bekanntesten ist: „Eine Josephsehe führen“. Man sagt von mittelalterlichen Herrschern wie Kaiser Heinrich II., er habe mit seiner Kaiserin Kunigunde so etwas gemacht, indem er eben nichts mit ihr „machte“, sie nicht berührte.

Hatte ein Ehepaar kein Kind, musste es sich ebenfalls den Spruch von der Josephsehe gefallen lassen. Hielt man den Mann für schuld, dann spottete man auch: „Der spielt den heiligen Josef“. In der Umgangssprache entstand um 1920 auch eine ähnliche Redewendung „den Josef spielen“ oder „den ahnungslosen Josef spielen“, wenn man jemandem unterstellte nur so zu tun, wie der wirklich ahnungslose Verlobte Mariens.

Im ländlichen Raum freilich war und ist der brave und gottesfürchtige Handwerker außerordentlich beliebt, weil er pragmatisch, menschlich und klug zugleich handelte: ein Heiliger zum Anfassen. Und so entstanden viele Sprichwörter und Redewendungen, die sich um ihn ranken, wie: Wenn der rechte Joseph kommt, sagt Maria „Ja!“. Oder: Wenn Joseph kommt, dann folgt Maria. Oder: Josephs ist bald vergessen.

In der Bibel kommt er leider nach der Weihnachtsgeschichte nicht mehr vor. Wir dagegen werden ihn – wie die Landbevölkerung schon lange – ab heute nicht mehr vergessen.

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