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Gábor Paál (Foto: SWR, Gábor Paál)

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Halbjährliche Erhebung durch Befragung per Telefon

Um das herauszubekommen, werden Hörerbefragungen durchgeführt. Nicht vom SWR, sondern von einer unabhängigen Arbeitsgemeinschaft, der „Media Analyse“. Das läuft so: Es gibt eine große Stichprobe von über 60.000 Haushalten; die werden angerufen und befragt, welche Programme sie in letzter Zeit gehört haben. Dabei gibt es mehrere Stufen. Zum Beispiel kann eine Frage lauten: Welche der folgenden Sender haben Sie in den letzten 14 Tagen mindestens einmal gehört? Und dann wird aufgezählt: SWR1, SWR2, SWR3, SWR4, SWR Info und natürlich all die anderen Radioprogramme, auch die der Privatsender. Die Zahl der Leute, die in den letzten zwei Wochen ein Programm wenigstens einmal eingeschaltet haben, heißt „weitester Hörerkreis“.

Für den Alltag viel interessanter ist aber die Frage: Mit wie vielen Hörern kann ich in einem bestimmten Programm zu einer bestimmten Uhrzeit rechnen? Deshalb werden die Testpersonen ganz konkret gefragt: Wann haben Sie gestern welche Radioprogramme gehört? Dann sagen die zum Beispiel: Gestern von 16 bis 17 Uhr habe ich SWR2 gehört. – Je nachdem, wie viele das sagen, wissen wir, wie viele Leute Hörer wir um diese Uhrzeit haben. In unserem Fall sind es 30.000 Hörer, die im Durchschnitt SWR2 Impuls hören. Das wird sogar viertelstundengenau gemacht. Deshalb wissen wir, dass wir am Ende der Sendung ein paar mehr Hörer haben als am Anfang – einfach weil gegen 17 Uhr der Feierabendverkehr zunimmt und uns viele Leute ja im Auto hören.

Radio: keine täglichen Einschaltquoten

Aber damit hört es auch auf. Wir erfahren nicht – und das ist der große Unterschied zum Fernsehen – ob wir z.B. heute mehr Hörer haben als gestern. Wir wissen auch nicht, ob die Leute bei diesem oder jenem Moderator eher einschalten. Wir können nicht messen, ob es bestimmte Themen oder bestimmte Musiktitel gibt, bei denen sie gleich abschalten, weil wir eben nur Durchschnittswerte über eine typische Woche haben.

Fernsehen: täglich automatische Messung

Beim Fernsehen ist es ganz anders. Die Quoten werden dort viel genauer gemessen. Das geht auch nicht über telefonische Befragungen, sondern automatisch über die Fernbedienung. Das heißt: Die Gesellschaft für Konsumforschung hat ungefähr 6.000 Haushalte ausgewählt und denen eine speziell präparierte Fernbedienung in die Hand gedrückt, die jeden Knopfdruck genau registriert – jedes Einschalten, jedes Umschalten, jedes Ausschalten. Alles, was diese Zuschauer machen, wird sofort an ein Rechenzentrum weitergeleitet und hochgerechnet.

Die Kollegen vom Fernsehen kriegen ihre Quoten daher täglich, und zwar gleich am Tag nach der Sendung. Diese Quoten sind minutengenau. So weiß man also zum Beispiel bei einer Talkshow ganz genau: In dem Moment, als der und der Gast angefangen hat zu reden, haben viele aus- oder umgeschaltet. Oder: Wenn Moderatorin X moderiert, haben wir im Schnitt mehr Zuschauer als bei Moderator Y. Das gleiche bei Spielfilmen oder Dokumentationen.

Tägliche Quote erhöht Druck auf die Verantwortlichen

Das hat den Vorteil, dass man das Programm stärker auf das Publikum  ausrichten kann. Aber es gibt auch Nachteile. Denn Menschen halten sich gerne an Zahlen fest, und solche Zahlen werden dann immer auch zu einer Währung. Auch wenn wir natürlich nicht nur auf die Quote starren, werden solche Zahlen, wenn sie erst mal im Umlauf sind, zum dominierenden Erfolgskriterium. Und wenn die Quote mal nicht so gut ist, wird gleich gefragt: Wer oder was ist daran schuld? Haben bei dieser Moderatorin mehr Leute eingeschaltet als bei jenem Moderator?

Es kann die Macher enorm unter Druck setzen, wenn ständig ihre Quoten miteinander verglichen werden.

TV Wie wird die Sehbeteiligung bzw. Quote im Fernsehen gemessen?

Es gibt etwas mehr als 10.000 Zuschauer in Deutschland, deren Fernsehverhalten elektronisch mit einem speziellen Zusatzgerät erfasst und auf die Zuschauer in ganz Deutschland hochgerechnet wird.  mehr...

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