Wirtschaft Wie kommen Währungen zu ihrem Tauschwert?

Dauer

Der Wert des Euro ist ein Preis, der zum Beispiel sagt: Wie viel Dollar muss ich hinlegen, wenn ich einen Euro kaufen will? Das ist zunächst genauso wie bei anderen Preisen – ob für Milch, Klamotten, Gemüse oder Gold – der Preis für eine Ware entsteht durch Angebot und Nachfrage. Und wie viel der Euro wert ist, das bestimmen – wie beim Gemüse auch – diejenigen, die ihn anbieten – nur eben nicht im Supermarkt, sondern zum Beispiel in einer Bank und vor allem an der Börse.

Angenommen, ich bin ein deutscher Devisenhändler und will eine große Menge Dollar kaufen. Nun prüfe ich: Was kostet der Dollar in Frankfurt? Was kostet er in Tokio? Was kostet er in New York? Natürlich würde ich ihn dort kaufen, wo er günstig ist – während die Verkäufer versuchen, sie möglichst teuer zu verkaufen. Aber sie haben eine vorgegebene Menge und irgendwo treffen sich dann Angebot und Nachfrage. Dass Wechselkurse schwanken, liegt daran, dass sie für Devisenhändler mal attraktiver sind und mal weniger attraktiv bzw. die jeweilige Währung mal knapper ist und mal weniger knapp.

Also es gibt nicht eine „Instanz“, die die Wechselkurse festlegt?

Es gibt keine offiziellen „Behörde“, sondern theoretisch kann ein Verkäufer jeden x-beliebigen Verkaufspreis wählen. Wenn er aber keine Käufer findet, muss er den Kurs anpassen. Das geht natürlich auf dem Devisenmarkt so schnell, dass sich etwas entwickelt, was so aussieht wie ein offizieller Kurs.

Nun wird ja in den Medien immer wieder berichtet, dass Länder wie China versuchen, ihre Währung abzuwerten, also in irgendeiner Weise zu manipulieren. Wie kann das funktionieren?

Die Nachfrage nach einer Währung kann eine Regierung natürlich nicht manipulieren – aber sie kann zum einen das Angebot beeinflussen, indem sie zum Beispiel Geld druckt. Wenn sie genügend Geld in der eigenen Währung druckt, erzeugt sie einen Angebotsüberschuss, also sinkt der Preis – d.h. die Währung wird abgewertet. Das kann nützlich sein, um den Export anzukurbeln, denn die eigenen Waren sind dann auf dem Weltmarkt billiger. Der Nachteil ist, dass Importe aus dem Ausland gleichzeitig teurer werden, weil ich mit der abgewerteten Währung weniger für mein Geld kriege. Und so gibt es für jedes Land auch wiederum ein Optimum, bei dem sich der Preis einpendelt. (Manchmal gibt es da allerdings Grenzen, etwa wenn Wechselkurse fixiert sind, wie es vor Einführung des Euro mit den verschiedenen europäischen Währungen schon der Fall war.)


Die zweite Möglichkeit, die Staaten haben, um ihre Währung auf- oder abzuwerten ist, Devisen zu kaufen oder zu verkaufen. Auch dazu ein Beispiel: Zurzeit ist der Kurs des Schweizer Franken relativ hoch, deshalb ist ein Urlaub in der Schweiz recht teuer. Warum? Weil in der Eurokrise alle Welt Schweizer Franken gekauft hat, es also eine große Nachfrage gab. Genau das ist aber das Problem für die Schweiz – dass sie als Urlaubsland unattraktiver wird und dass sie auch sonst ihre Produkte im Ausland schwerer loswird. Also hat die Schweizer Notenbank die Notbremse gezogen und einen Mindestkurs für den Euro festgelegt. D.h. sie hat gesagt: Wir sorgen dafür, dass der Schweizer Franken nicht teurer wird als 83 Cent. Und wenn er droht, teurer zu werden, dann verkaufen wir so lange Schweizer Franken auf den Devisenmärkt, bis der Schweizer Franken wieder abgewertet wird und der Kurs innerhalb der vorgegebenen Grenzen bleibt.

Danke an: Christian Fahrholz, Universität Jena und Janika Müller