Entwicklungspsychologie

Wie entwickelt sich Humor bei Kindern?

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Gábor Paál
Gábor Paál (Foto: SWR, Oliver Reuther)

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Schon Humor oder noch Reflex?

Entwicklungspsychologen konnten zeigen: Das geht schon im ersten Lebensjahr los. Wobei man genau hingucken muss: Wenn ein Baby lacht, wenn man es kitzelt – und das tut es schon mit vier Monaten – ist das wirklich schon Humor? Oder nur ein Reflex oder einfach soziales Lachen?

Das ist nicht so ganz klar. Aber dann kommen schon im frühen Alter auch andere Situationen, in denen es eindeutiger ist. Eltern kennen das, wenn sie zum Beispiel gegenüber ihren Kleinkindern eine pseudo-fiese Grimasse ziehen oder sie es zum Schein durchs Zimmer jagen. Das finden Kinder in der Regel ja auch schon lustig – solange es die eigenen Eltern sind, erkennen sie: Die wollen mir jetzt nicht wirklich was böses, sondern das ist nur Spaß.

Humor durch Beobachtung erlernen

Wenn dagegen ein Fremder eine fiese Grimasse zieht, macht ihnen das eher Angst. Und das deutet auch auf die soziale Bedeutung von Humor hin. Gemeinsames Lachen verbindet ja auch. Und da konnte man zeigen, dass diese Art von Humor tatsächlich schon im Säuglingsalter beginnen kann, bei etwa sechs bis acht Monaten. Dass es da aber auch sehr darauf ankommt, was sie an Humor bei ihren Eltern beobachten können. Das heißt, sie lernen Humor am Anfang vor allem auch durch Nachahmung: Sie machen die Erfahrung, dass Eltern in bestimmten Situationen lachen. Oder die Augen aufreißen und so tun, als würden sie dem Kind die Rassel wegnehmen wollen, wo aber offensichtlich ist: Sie wollen es nicht wirklich, sie machen nur einen Spaß.

Humor ist der Bruch mit Erwartungen

Grundsätzlich gibt es sehr viele Arten von Humor, auch bei Kindern. Aber wenn man nach einem gemeinsamen Nenner sucht, dann ist es vielleicht der: Humor bricht immer mit irgendeiner Form von Erwartung. Psychologen nennen das das „Inkongruenzprinzip“. Das gilt für den Slapstick-Humor bis zum Sprachwitz.

Ob sich das Kind einen Topf über den Kopf zieht und damit lachend durchs Zimmer läuft oder ob es, wenn es ein bisschen älter ist, ein Wortspiel macht oder eine ironische Bemerkung – jede humorvolle Situation beinhaltet irgendeinen Bruch mit Erwartungen, irgendwas fällt aus dem Rahmen. Das gilt auch, wenn sich ein Kind darüber königlich amüsieren, wenn es mit kleinen Tabus bricht – also zum Beispiel böse Wörter wie „Kacka“ in den Mund nimmt oder seine Eltern sonst wie veralbert.

Dieses Brechen von Erwartungen, das Umdeuten eines Kontextes, ist eine kognitive Leistung, die ein Kind erst mal lernen muss. Auf einer kognitiven Ebene bedeutet Humor haben also: zu verstehen, dass eine Handlung auch mal nicht ernst gemeint ist.

Das ist ja das Wesen der Ironie: Ich sage etwas, meine aber das Gegenteil, und das zu verstehen, ist eine Voraussetzung von Humor. Sofern es sich um sprachliche Äußerungen handelt, können Kinder das etwa im Alter von 2 bis 3 Jahren lernen. Aber andere Formen von Humor, wo es einfach darum geht, unernste Situationen als solche zu erkennen, das geht schon im ersten Lebensjahr los. So verfeinert und erweitert sich der Humor im Lauf der weiteren Entwicklung.

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