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Ich habe gewisse Probleme mit dem Begriff „Klimakiller“, aber dazu gleich mehr. 0,039 Prozent – das hört sich in der Tat nach lächerlich wenig an. Andererseits könnte man bei Arsen, Zyankali oder Plutonium ja auch sagen: Die paar Gramm, was sollen die bei einem ausgewachsenen Menschen schon ausmachen? Aber wie wir wissen, sind sie tödlich. Es hilft also nicht viel, nur auf die absolute Menge zu schauen. Denn bestimmte Stoffe können eben schon in kleinen Mengen große Wirkungen entfalten.

Es gibt aber doch einen Unterschied zwischen CO2 und Zyankali: Das CO2 war ja schon immer in der Luft – es gibt „nur“ etwas mehr davon ...

Ja, die Konzentration die Atmosphäre hat sich in den letzten 200 Jahren um etwa ein Drittel erhöht. Und – wenn man das jetzt mit einem Gift im Körper vergleichen würde – da ist ein Drittel mehr oder weniger in der Regel nicht existenzbedrohend. Wenn jemand 0,3 Promille Alkohol im Blut noch einigermaßen verträgt, wird er auch bei 0,4 Promille nicht sofort tot umfallen – das entspricht ungefähr der CO2-Erhöhung, um die es geht.

Trotzdem ist der Vergleich schief. Denn es geht ja nicht darum, dass CO2giftig wäre. Wir atmen es täglich ein, und wenn sich das CO2erhöht, ist das für die einzelnen Lebewesen überhaupt nicht bedrohlich. Es hat auf Pflanzen sogar einen gewissen Düngeeffekt – manche wachsen schneller. Nicht die „Giftigkeit“ ist also das Problem, sondern die physikalische Wirkung des CO2: Es absorbiert bestimmte Arten von Wärmestrahlung – behält also Wärmestrahlen, die sonst die Erde Richtung Weltraum verlassen würden, auf der Erde. Und das macht die Atmosphäre eben wärmer. Zunächst ist das ja auch gut – ohne CO2 in der Atmosphäre wäre es auf der Erde viel kälter, das wäre sehr lebensfeindlich.

Das Dumme ist aber: Wenn wir auch weiter immer mehr CO2 in die Atmosphäre blasen, dann wird es halt zu warm – zumindest für die Art von Zivilisation, die die Menschheit in den letzten Jahrtausenden aufgebaut hat. Deswegen störe ich mich an dem Begriff „Klimakiller“: Das Klima ist ja kein Lebewesen, deshalb kann es auch nicht gekillt werden. Es droht sich nur zu erwärmen. Aber ein Klima gibt es immer – selbst wenn vor lauter Erwärmung alle Gletscher der Welt abschmelzen würden. Es gäbe vermutlich auch irgendwelche Organismen, die damit prima zurechtkämen. Das Klima – und übrigens auch die Erde als Planet (es ist ja immer vom „Schutz des Planeten“ die Rede) – hat mit der Erwärmung an sich kein Problem. Zu Zeiten der Dinosaurier war es noch viel wärmer als heute. Die Erde und ihre Atmosphäre halten das schon aus. Es sind die vielen Milliarden Menschen, die Probleme bekommen, wenn in wenigen Jahrzehnten doppelt so viel CO2 in der Luft ist wie noch vor 200 Jahren. Denn dann wäre es im Schnitt nicht nur 3°C wärmer, auch die Gletscher würden schmelzen, der Meeresspiegel würde ansteigen, das Wetter würde launischer und die Klimazonen könnten sich völlig verschieben.