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Den Lieblingssong liken, erneut abspielen und alternative Songs auswählen – und automatisch wieder ins laufende, moderierte Programm zurückkehren: Das und mehr kann die neue, innovative Radio-App. Die Erfinder aus dem SWR audio lab schicken SWR3 und DASDING mit der App an den Start.

Die neue DASDING-App (Foto: SWR)
Die neue DASDING-App

Das SWR audio lab

In der Programmdirektion Kultur gibt es ein zweiköpfiges Team, das als SWR audio lab an innovativen Radio-/Audio-Produkten arbeitet: Christian Hufnagel und Daniel Freytag. Die Kollegen verbinden aktuelle Medientrends und Zukunftstechnologien mit den individuellen Bedürfnissen der Nutzer*innen und gestalten somit das Radio von morgen. Dabei entstehen beispielsweise Anwendungen für die Sprachassistenten, verbesserte Lösungen für Audio im Auto oder individualisierbare Radiostreams in den Hörfunk-Apps.

Bei einem Hackathon der European Broadcasting Union (EBU) in Oslo haben die Kollegen Hufnagel und Freytag die Idee ,,Radio der Zukunft" eingespeist und einen Prototypen entwickelt. Immer fest den*die Nutzer*in im Blick. Zwei Jahre lang haben die Kollegen des SWR audio lab getüftelt, entwickelt, getestet.

Das sind die Macher der Radio-App - Christian Hufnagel und Daniel Freytag (Foto: SWR)
Christian Hufnagel und Daniel Freytag

Was bietet die Radio-App?

Wer im Radioprogramm einen Lieblingssong entdeckt, kann ihn gleich liken, um ihn später noch einmal abzuspielen. Wann und sooft man möchte. Zusätzlich bietet die neuen App individualisierbare Radiostreams, in denen die Nutzerinnen und Nutzer zwar weiterhin moderiertes Liveprogramm bekommen, aber in der App Musiktitel wechseln können, wenn ein Lied einem mal nicht gefällt. In der App können somit beim Hören des Livestreams Lieder und Beiträge übersprungen werden. Als Ersatz sucht ein Algorithmus dann Alternativtitel, die wieder ausgeblendet werden, wenn es im Liveprogramm mit Moderation weitergeht. Auch das Zurückspulen innerhalb der letzten vier Stunden des Radioprogramms ist möglich. Beiträge und Lieblingssongs werden in einer Playlist gesammelt und können bis zu einem Jahr nachgehört werden.

Damit bietet die neue Radio-App nicht mehr nur moderiertes Liveprogramm und aktuelle Nachrichten, sondern auch individualisierbares Radio und Musik on demand. Podcasts können ebenfalls über die App abgerufen werden. SWR3 und DASDING sind die ersten, die die neuen und innovativen Funktionen anbieten. SWR1 und SWR4 gehen demnächst ebenfalls mit der neuen App an den Start.

Wo bekomme ich die Radio-App?

Seit 17. August steht die Radio-App in den App-Stores für iOS und Android zum Herunterladen bereit. Und unter: SWR3.de/app und DASDING.de/app
Die neue SWR3- und DASDING-App ist im Smartphone- und Tabletformat verfügbar.

Die neuen Apps von SWR1, SWR3, SWR4 und DASDING (Foto: SWR)
Die neuen Apps von SWR1, SWR3, SWR4 und DASDING.

Warum braucht der SWR eine Radio-App?

Neben der Nutzung via Web-Browser hören auch viele Menschen unser umfangreiches Radio-Angebot via Smartphone und Tablet. Es ist klar zu erkennen, dass sich die Mobilnutzung in Deutschland mehr und mehr ausbreitet. Früher mussten sich die Audio-Fans ihre Inhalte mühevoll selbst im Internet zusammensuchen. Mit der neuen App geht das auch ganz komfortabel auf mobilen Endgeräten, indem jederzeit passende Inhalte angeboten und nutzerfreundlich präsentiert werden.


Durch die Konkurrenz der Streamingdienste ist auch der Hörfunkmarkt unter Druck geraten. Da Streamingdienste dem klassischen Radio aber immer ähnlicher werden und nun auch eine Mischung aus Wort und Musik anbieten, muss sich der SWR Lösungen überlegen. Die Hörerinnen und Hörer sind durch verändertes Nutzungsverhalten nicht mehr bereit, auf ihre Inhalte zu warten. Dennoch sollen Musikstreamingdienste nicht kopiert werden.

Was sind die Herausforderungen des innovativen Projektes?

Neben den technischen Hürden, die es bei solchen Projekten immer zu nehmen gibt, waren es rechtliche Themen, die zu klären waren und sind: Für alle neuen Funktionen, die das Radio individueller machen, sind Musikrechte erforderlich, die in den Rechtepaketen des SWR nicht enthalten sind – und die die Musiklabels bislang auch nicht an Radios herausgerückt haben. Lieblingslieder immer wieder anzuhören, Lieder zu überspringen oder eine individuelle Playlist zusammenzustellen, das soll eigentlich das Vorrecht der Musikstreamingdienste sein. Trotzdem ist es durch beharrliches Verhandeln unter der Federführung des SWR Justitiariats gelungen, die Rechteinhaber davon zu überzeugen, dass auch das Radio sich weiterentwickeln muss, wenn es eine Zukunft haben soll. Mit diesem Musikrechtedeal hat der SWR Pionierarbeit geleistet. Die größten Musikunternehmen der Welt unterstützen das vom SWR entwickelte „Radio der Zukunft“, mit dem die ARD Neuland für den öffentlich-rechtlichen Rundfunk betritt.

Die neue SWR3 App (Foto: SWR)
Die neue SWR3-App

Was bedeutet das für das lineare Radio?

Abwechslungsreiches, lineares Programm des SWR ist immer noch das wichtigste Haupteinschaltmotiv für Hörerinnen und Hörer. Der SWR muss aber auch andere sinnvolle Wege ausprobieren, um einem jüngeren, neuen Publikum die gleiche Erlebnisse zu bieten, die es im linearen Radio so nicht findet, um den gesetzlichen Auftrag des öffentlich-rechtlichen Rundfunks weiterhin zu erfüllen.


Wir benötigen dazu technologische Lösungen, die mehr Individualisierung und Modularität zulassen, dem Charakter des Radios aber treu bleiben. Der SWR kann in diesem Bereich ein echter Innovationstreiber werden, der dem Radio zu einem ganz neuen Dasein verhilft. Die interaktiven Funktionen brechen das lineare Format auf, doch die Hörerinnen und Hörer können weiterhin bequem Radio hören. Wichtig dabei ist, dass der klassische Hörcharakter erhalten bleibt, die Seele des Radios geht bei diesem Ansatz nicht verloren.

Wer war an der Umsetzung der App beteiligt?

In Kooperation mit der Agentur TBO wurden die Innovationen und Visionen eines zukünftsfähigen Radio-Erlebnisses entwickelt und zuverlässig vernetzt. Die neue Radio-App wird zudem unterstützt durch die Ybrid-Technologie zur hybriden, dynamischen Auslieferung von Audio-Inhalten über IP unseres ARD Audiolivestreaming-Dienstleister Nacamar. Hinzu kommt künstliche Intelligenz des Startups Cyanite, um passende Alternativtitel für den Song-Tausch auszuwählen. Alles wurde mit viel Liebe von Profis mit einem möglichst hohen Maß an Datenschutz im SWR audio lab sowie mit starkem Support der SWR3 Popunit und den Musik- und Onlineredaktionen entwickelt.

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