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Demokratie-Forum Hambacher Schloss

Warum Krieg?

STAND

Moderator Michel Friedman hat über die Frage "Warum Krieg?" mit dem Linken-Verteidigungsexperten Tobias Pflüger, der Politikwissenschaftlerin Daniela Schwarzer und dem früheren Botschafter im Irak, Ekkehard Brose diskutiert.

Die Lage an der polnisch-belarussischen Grenze spitzt sich zu. Tausende Flüchtende harren an der Grenze aus. EU-Kommissionspräsidentin Ursula von der Leyen spricht von einem "hybriden Angriff eines autoritären Regimes" auf die EU.

Herausforderungen im Bereich Sicherheitspolitik

"Ich glaube, der neuen Bundesregierung ist bewusst, dass im Bereich Sicherheitspolitik Herausforderungen auf Deutschland zukommen." sagt Ekkehard Brose. Deswegen solle Deutschland klarer für sich definieren: "Was wollen wir?". Der Linken-Politiker Tobias Pflüger warnt davor, militärisch aufzurüsten. Er sei sehr skeptisch, dass Aufrüstung die Lösung sei und wünsche sich Deutschland als "Kriegsdienstverweigerer".

Während Pflüger die Frage in den Raum stellt, welcher Akteur Deutschland angreifen würde, hält Politikwissenschaftlerin Daniela Schwarzer das deutsche Militär für sehr wichtig. "Ich würde bei Sicherheit immer vom Ernstfall ausgehen. Wir müssen investieren und ausstatten, wir müssen uns verteidigen und intervenieren. Ein Teil der Verteidigung ist Abschreckung."

Europa wichtig für deutsche Sicherheitspolitik

Zudem hält Schwarzer die Europäische Union für unverzichtbar: "Wenn ihr einen angreift, greift ihr alle an", erklärt Schwarzer. "Wir müssen besser zusammenarbeiten, besser gemeinsam planen."

Brose beschreibt die Europäische Union so: "Europa ist ein schönes Gebäude, aber nicht adäquat. Es reicht nicht." Die Geschlossenheit der europäischen Staaten sei nicht da. Man müsse den Mut besitzen, auch kleinere Gruppen zu autorisieren, um etwas zu tun. "Und Deutschland muss zu diesen kleinen Gruppen gehören", so Brose.

Die Gäste im Hambacher Schloss

Porträtfoto von Daniela Schwarzer. Sie leitet die Open Society Foundations in Europa und Eurasien. (Foto: Open Society Foundations)
Daniela Schwarzer: "Eine große Phase der Entspannung liegt hinter uns nach dem Fall der Mauer. Aber jetzt erleben wir, dass Sicherheit und Verteidigung wieder stärker in den Vordergrund rücken - nicht, weil wir es uns wünschen, sondern weil andere die Sicherheitslage so verändern, dass wir uns stärker mit unseren Interessen und ihrem Schutz beschäftigen müssen." Open Society Foundations Bild in Detailansicht öffnen
Ekkehard Brose: "Oft wird Intervention gleichgesetzt mit militärischer Intervention. Dabei gibt es von der Diplomatie über wirtschaftliche Maßnahmen viele Möglichkeiten auf ein anderes Land einzuwirken. Das Militärische, also mit Truppen einzugreifen, ist nur die äußerste Spitze. Bei einer militärischen Intervention stellt sich besonders die Frage, wie kann das gerechtfertigt werden?" Bundesakademie für Sicherheitspolitik BAKS Bild in Detailansicht öffnen
Tobias Pflüger, Friedensforscher und stellvertretender Vorsitzender der Linken: "Wir sind nicht in der Situation, dass Pazifisten ihre Ansicht überdenken müssen, sondern eher in der Situation, dass diejenigen, die grundsätzlich militärische Mittel für ein legitimes Mittel halten, sich viel häufiger die Frage stellen müssten: Ist das richtig? Es wird inzwischen als völlig normal empfunden, militärische Mittel einzusetzen, aber die empirische Erfahrung besagt, dass es nicht zutrifft." Pressestelle Bild in Detailansicht öffnen

Wofür steht das Demokratie-Forum Hambacher Schloss?

Das Demokratie-Forum mit findet viermal jährlich im Hambacher Schloss statt. In der Tradition des "Hambacher Fests" und dem hiermit verbundenen Geist der Meinungsfreiheit und der Bürgerrechte diskutieren lebenserfahrene und streitlustige Politiker, Publizisten sowie Vertreter aus Wirtschaft, Kultur und Zivilgesellschaft auf dem Demokratie-Forum Hambacher Schloss. Politische, gesellschaftliche und kulturelle Themen von grundlegender Bedeutung werden aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln aufgegriffen.

Im Zentrum der kontroversen Debatten steht der "Geist der Gegenwart" und die zentrale Frage, welche Werte, Ideen und Konzepte künftig unsere Gesellschaft noch zusammenhalten. Das kritische Bürgerforum bietet eine Bühne für substantielle Diskurse und fairen Konfliktaustausch.

Zu den letzten Sendungen

Moderator des Demokratie-Forums: Michel Friedman

Die anderthalbstündigen Gespräche des Demokratie-Forums leitet Michel Friedman. Friedman, der 1956 in Paris geboren wurde, ist deutsch-französischer Jurist, Publizist, Philosoph und Fernsehmoderator. Er war jahrelang stellvertretender Vorsitzender des Zentralrats der Juden in Deutschland sowie Herausgeber der Wochenzeitung Jüdische Allgemeine. Als Moderator wurde er mit der Sendung "Vorsicht! Friedman" bekannt. Heute moderiert er unter anderem bei der Deutschen Welle die Sendung "Auf ein Wort".

Michel Friedman (Foto: SWR)
Michel Friedman

Engagiert meldet er sich gegen Antisemitismus und Rassismus zu Wort. Für ihn seien die Geschichtsrevisionisten und Rechtsintellektuelle eine größere Gefahr für die Demokratie als rechtsextreme Parteien, weil sie "unter einem bürgerlichen Deckmäntelchen und mit einer hohen gesellschaftlichen Akzeptanz" eine durchschlagendere Wirkung hätten.

Dieses Engagement zeigt sich auch in seinem Einsatz für Geflüchtete. So richtete er 2015 eine Willkommensfeier für Geflüchtete und ihre Helfer in der Frankfurter Paulskirche aus. Sein Credo: "Jeder ist jemand, sagt der Schriftsteller George Tabori. Das ist für mich Demokratie. Würde, Respekt und die Einmaligkeit eines jeden Menschen, die einen Staat als Leitmotiv verpflichten."

Audio zum Nachhören Demokratie-Forum: "Wir brauchen Debatte!"

Aggressive Diskussionen und hitzige Debatten sind in Deutschland alltäglich, insbesondere in den sozialen Medien. Oft stehen sich die Streitenden unversöhnlich gegenüber – es scheint, als gehe es nur darum, Recht zu haben. Hören wir einander überhaupt noch zu? Gibt es guten und schlechten Streit? Wie viel Streit, wie viel Debatte braucht eine wehrhafte Demokratie? Darüber hat Michel Friedman im Demokratie-Forum Hambacher Schloss diesmal diskutiert. Zu Gast zum Thema "Wir brauchen Debatte! – Warum Streiten unverzichtbar ist" waren die Politikwissenschaftlerin Nicole Deitelhoff, die Philosophin Romy Jaster und der Autor und Journalist Ijoma Mangold.  mehr...

WDR 5 Morgenecho - Interview Konflikt mit Belarus: "Menschen nicht abweisen"

Der belarussische Präsident Alexander Lukaschenko benutze Geflüchtete, um europäische Staaten zu destabilisieren, erklärt Carlo Masala, Professor für Internationale Politik. Eine Lösung sei deshalb, die Flüchtlinge in der EU zu verteilen.  mehr...

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