SWR Medienzentrum Platz 2: JSWD Architekten, Köln & kiparlandschaftsarchitekten, Duisburg

In zwei Phasen haben insgesamt 40 Architekturbüros aus ganz Europa an unserem Realisierungswettbewerb teilgenommen. Ihr Auftrag: ein funktionales, wirtschaftliches, energieeffizientes und gestalterisch qualitätsvolles Gebäude für den Standort Baden-Baden entwerfen. Am 9. März 2016 hat das Preisgericht, in dem auch die Stadtverwaltung und die Gemeinderatsfraktionen vertreten sind, die Preisträger des Wettbewerbsverfahrens ausgewählt.

Den zweiten Platz belegt das Architekturbüro JSWD Architekten aus Köln in Zusammenarbeit mit kiparlandschaftsarchitekten, Duisburg.

Der Entwurf in Bildern

Entwurf von JSWD in der Seitenansicht (Foto: JSWD Architekten, Köln)
Beim zweitplatzierte Entwurf von JSWD Architekten aus Köln bildet ein Kubus das neue Herzstück am Standort Baden-Baden. JSWD Architekten, Köln Bild in Detailansicht öffnen
Der durchgesteckte Luftraum bietet im Zusammenspiel mit den Open-Space-Zonen, offenen Teeküchen und Loggien Raum für Kommunikation und informellen Austausch. JSWD Architekten, Köln Bild in Detailansicht öffnen
Die Sitzstufen-Treppe führt aus dem Foyer in die Kommunikationsebene und den SWR Garten. JSWD Architekten, Köln Bild in Detailansicht öffnen
Der „Wandelgang“ in der Kommunikationsebene verzahnt sich mit dem Außenraum und öffnet den Blick in die Landschaft. JSWD Architekten, Köln Bild in Detailansicht öffnen

Die Begründung des Preisgerichts

„Das Projekt teilt sich in eine in den Hang hinein gearbeitete Sockelzone und einen darauf angeordneten kubischen Atriumbaukörper, in dem die Arbeitswelten untergebracht sind. Der Baukörper fügt sich behutsam in die Umgebung ein und verfügt über eine hohe Zeichenhaftigkeit, ohne den Ort zu dominieren. Die Freiflächen leiten sich mit Selbstverständlichkeit aus der Topografie des Geländes ab.

Durch seine Lage an der Hans-Bredow-Straße bleiben die Außenbezüge der Arbeitsplätze im Haus des Hörfunks erhalten bzw. unverbaut. Die Projektverfasser schlagen vor, eine Eventplattform über der bestehenden Telefonzentrale zu entwickeln und diesen Teil des Gebäudebestands mit in die neue Fassade zu integrieren. Der Sockel bildet einen fließenden Übergang zwischen dem südseitigen Hügel und dem nordseitigen Haus des Fernsehens. Der Eingang lässt eine signifikante und einladende Adresse unmittelbar an der Hans-Bredow-Straße entstehen. Vom Foyer aus wird der Besucher über eine großzügige und identitätsstiftende Treppe geradezu in die obere Ebene gezogen. Diese ist ein offener, kommunikativer Raum – sozusagen das Herz und die Schaltzentrale des Hauses – mit unmittelbarer Anbindung an qualitätsvolle Außenflächen im Osten und Westen (Garten und Terrasse). Die Anbindungen an das Haus des Fernsehens sowie die obere Funkhöhe kommen ohne aufwendige Brückenkonstruktionen aus, weisen jedoch in Bezug auf die Anbindungshöhen Mängel auf.

Die Arbeitswelten sind sehr flexibel gestaltbar und funktionieren sowohl bei Anordnung von klassischen Zellenbüros als auch als Open-Office-Flächen. Besonders positiv hervorgehoben wird die zweiseitige Belichtung aller Arbeitsbereiche. Das Atrium verleiht darüber hinaus eine räumliche Tiefe, schafft spannende Sichtbeziehungen (auch in der Vertikalen) und gleichzeitig Distanz. Die klimatische Funktion des Atriums ist noch nicht zu Ende gedacht. Die technische Gebäudeausstattung ist unterdimensioniert (Lifte, Steigschächte, Sicherheitstreppenhaus) bzw. müsste an die tatsächlichen Bedürfnisse angepasst werden. Ebenso sind wichtige Anforderungen an den Brandschutz noch nicht erfüllt. Die fehlende Möglichkeit eine Feuerwehrzufahrt zum Bereich östlich des Wettbewerbsgrundstücks (Serienfundus, Sendekomplex) fehlt und macht daher entsprechende Kompensationsmaßnahmen notwendig.

Das Projekt zeichnet sich durch seine Kompaktheit, seine gefühlvolle Einfügung in die bestehende Situation, seine Nutzungsflexibilität und hohe räumliche Qualitäten aus. Aus betriebs- und brandschutztechnischer Sicht stellt die Atriumlösung eine technische Herausforderung dar, die zu Mehraufwendungen in Invest und Betrieb führen kann.“

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