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SWR2 Feature „Endstation Sahel? Wie die EU Afrikas Migranten aufhalten will“

SWR2 Feature von Auslandsreporter Martin Durm über vergessene Flüchtlingslager im Tschad / 1. November, 15:05 Uhr und 22:03 Uhr in SWR2 Wissen

Sie alle sind längst vergessen: Eine halbe Million Flüchtlinge aus Darfur haben seit 2003 in der Sahelzone Zuflucht gesucht. Im Dezember 2017 ist der vielfach ausgezeichnete Journalist Martin Durm in den Osten des Tschad gereist, um mehr über die Situation heute zu erfahren. Für sein SWR2 Feature „Endstation Sahel? Wie die EU Afrikas Migranten aufhalten will“ besuchte er mehrere Flüchtlingslager im Grenzgebiet von Darfur (Sudan). Die Ergebnisse seiner Recherchen bei der Regierungsvertretung vor Ort, in Flüchtlingslagern und bei der EU-Kommission in Brüssel sind am 1. November um 15:05 Uhr und 22:03 Uhr in SWR2 Wissen zu hören.

300.000 Flüchtlinge aus Darfur leben in den UNHCR-Lagern im Ost-Tschad, an der Grenze zur Bürgerkriegsregion Darfur im Sudan. Die Region gehört zu den ärmsten in Afrika. © SWR

300.000 Flüchtlinge aus Darfur leben in den UNHCR-Lagern im Ost-Tschad, an der Grenze zur Bürgerkriegsregion Darfur im Sudan. Die Region gehört zu den ärmsten in Afrika. © SWR


Recherche im Krisengebiet und in Brüssel

Martin Durm recherchierte 2017 im Sahel. Er konnte u. a. mit dem Vertreter der tschadischen Zentralregierung, Ramadan Erdebu, sprechen, zudem mit einem Vertreter des Flüchtlingshilfswerks der Vereinten Nationen (UNHCR), Ante Galic. In den Flüchtlingslagern Farchana, Gozbeida und Breijding führte er Gespräche mit Flüchtlingen. Der Sudanese Nasredin Osman Baschar beispielsweise wollte sich die Flucht nach Europa durch Sklavenarbeit in den Goldminen des Tibesti finanzieren, verunglückte dort aber schwer. Seit vier Jahren liegt er gelähmt in einer Lehmhütte und hofft auf ein Wunder: „Wenn ich wieder laufen kann, mache ich mich wieder auf den Weg“, sagt er. Im Mai 2018 führte Martin Durm in Brüssel ein längeres Interview mit der Generaldirektorin für humanitäre Hilfe der EU, Monique Pariat. Pariat beschreibt die Situation im Sahel folgendermaßen: „Der Patient bleibt über Jahre auf der Intensivstation, weil es keine anderen Stationen gibt, die sich um ihn kümmern würden. (...) Wir versuchen das zu leisten, was die Regierung nicht leistet.“

Strategie versus Hoffnung

Anfangs in den Fokus der Weltöffentlichkeit gerückt, sind die Darfur-Flüchtlinge heute vollständig auf internationale Hilfsorganisationen und die Europäische Union angewiesen. Diese verfolgt mit humanitärer Hilfe und finanziellen Mitteln im Kampf gegen Terror- und Schleuserbekämpfung das Ziel, das Dauerkrisengebiet zu stabilisieren. Die Europäer setzen darauf, den Menschen vor Ort eine „Bleibeperspektive“ zu geben. Doch die Jungen und Starken wollen nicht im Elend der Sahelzone bleiben. Ihre Hoffnung heißt Europa.

Martin Durm

Martin Durm war viele Jahre ARD-Korrespondent im arabischen Raum. Seit 2011 arbeitet er bei SWR2 als Moderator und Redakteur u. a. für „SWR2 Forum“. Im Augenmerk seiner Berichte liegen die politischen Umbrüche im Nahen Osten. Für seine Auslandsreportagen wurde er mehrfach ausgezeichnet, u. a. 1996 mit dem Robert-Geisendörfer-Preis und 2012 mit dem Deutschen Radiopreis. Im März 2015 erhielt er den „Liberty Award“ für seine authentischen Berichterstattungen aus Krisengebieten.

Donnerstag, 1. November, 15:05 Uhr und 22:03 Uhr
„SWR2 Wissen: Endstation Sahel? Wie die EU Afrikas Migranten aufhalten will“