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„betrifft: Operiert und abkassiert – Wenn Ärzte Rendite bringen sollen“ / 14. Juli 2021, 20:15 Uhr, SWR Fernsehen / 21 Uhr: „Klinik in Not – Exitus für ein Krankenhaus?“

Immer mehr Ärzt*innen in Deutschland kritisieren die sogenannten „Fallpauschalen“, das Bezahlsystem der Krankenhäuser. Offen wie selten sprechen sie im SWR Fernsehen über ein Gesundheitssystem in Schieflage. So sollen immer mehr Patient*innen in immer kürzerer Zeit behandelt werden. Mit aufwändigen Eingriffen, die der Klinik Erlöse bringen. Chefärzt*innen würden gedrängt, die Umsatzzahlen für das Krankenhaus zu erhöhen. Zu sehen in „betrifft: Operiert und abkassiert – Wenn Ärzte Rendite bringen sollen“ am Mittwoch, 14. Juli 2021, um 20:15 Uhr im SWR Fernsehen. Im Anschluss um 21 Uhr beleuchtet die SWR Doku „Klinik in Not – Exitus für ein Krankenhaus?“ das Problem sterbender kleiner Krankenhäuser – am Beispiel der rheinland-pfälzischen Klinik Ingelheim. Nach der Ausstrahlung stehen die Filme für ein Jahr in der ARD Mediathek und sind auf dem SWR Doku-Kanal auf Youtube abrufbar.


Erschütternde Vorwürfe

Es sind Vorwürfe, die aufrütteln in der SWR Dokumentation „betrifft“: Eine Frau, die an der Halswirbelsäule operiert wird, obwohl es gar nicht hätte sein müssen. Menschen, denen unnötigerweise Zehen amputiert werden sollten. Angehörige älterer Menschen, die berichten, wie ihre Verwandten in verschiedenen Krankenhäusern mit immer neuen Eingriffen buchstäblich zu Tode operiert worden seien. Gutachten, die bescheinigen, dass bei all diesen Eingriffen niemals eine Chance auf Heilung bestanden habe. Die Vermutung: Es sei ums Geld gegangen. Auf der anderen Seite beklagen Mediziner*innen, wenn sie sich Zeit für ihre Patientinnen und Patienten nähmen, mache die Klinik Verluste. Den Umsatz brächten aufwändige Operationen und moderne Apparatemedizin.   

Leidensdruck enorm

Jutta Pinzler und Martin Gronemeyer begleiten junge Berliner Klinikärzt*innen, die mit Mut und Einsatz gegen das System aufbegehren. Wie schwer ist es für sie, Missstände zu benennen, ohne als Nestbeschmutzer*innen zu gelten? Doch inzwischen ist der Leidendruck so groß, dass sie an die Öffentlichkeit gehen. „betrifft“ untersucht, wie berechtigt ihre Wut ist und wo Patient*innen unter dem Gesundheitssystem im Krankenhaus leiden. Politiker*innen werden damit konfrontiert. Der Film stellt auch die Frage, wie das Krankenhaus der Zukunft besser funktionieren könnte.

Rettung für das Krankenhaus Ingelheim?

Wie sich der Finanzdruck im Gesundheitssystem auswirken kann, zeigt die anschließend ausgestrahlte SWR Doku „Klinik in Not – Exitus für ein Krankenhaus?“ Die Klinik in Ingelheim in Rheinland-Pfalz bietet Grund- und Regelversorgung, Notaufnahme sieben Tage die Woche, eine chirurgische Abteilung, innere Medizin. Für viele Menschen ist es so selbstverständlich wie die Feuerwehr oder die örtliche Polizeidienststelle: das Krankenhaus am Ort, zumindest in der Nähe. Platzwunden, diffuse Schmerzen in der Brust oder hohes Fieber – die Notaufnahme ist sieben Tage die Woche rund um die Uhr geöffnet. Das kann Leben retten. Aber: Wie viele kleine Kliniken ist auch diese defizitär und am Rand des finanziellen Kollapses.

Die Klinik als Patientin

Als die Dreharbeiten zu diesem Film im Herbst 2020 beginnen, haben in Ingelheim zwei Insolvenzverwalter die Geschäftsführung übernommen, Experten für die Rettung Krankenhäusern. Oder auch, wenn gar nichts mehr geht, für deren Abwicklung. Ingelheim ist so ein Notfall, „äußerst schwierig,“ aber nicht hoffnungslos: Um es zu retten, muss ein Investor gefunden werden. Das Publikum erlebt im Film von Cornelia Uebel und Klaus Martens den bitteren Tag mit, an dem über die Zukunft des Krankenhauses Ingelheim entschieden wird.

Sendungen

„betrifft: Operiert und abkassiert – Wenn Ärzte Rendite bringen sollen“
Mittwoch, 14.7.2021, um 20:15 Uhr, SWR Fernsehen
„Klinik in Not – Exitus für ein Krankenhaus?“
Mittwoch, 14.7.2021, um 21 Uhr, SWR Fernsehen


Nach Ausstrahlung sind die Filme ein Jahr in der ARD Mediathek abrufbar; außerdem verfügbar über den SWR Doku Channel auf Youtube

Prof. Andreas Sturm und Bunte Kittel, DRK Berlin © SWR (Foto: SWR)
Prof. Andreas Sturm und Bunte Kittel, DRK Berlin © SWR Bild in Detailansicht öffnen
Assistenzärzte im Dauerstress durch Bezahlsystem der Fallpauschalen © SWR Bild in Detailansicht öffnen

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