Geflüchtete aus der Ukraine erreichen Deutschland (Foto: picture-alliance / Reportdienste, Ole Spata)

Report Mainz

Unterbringung ukrainischer Geflüchteter: Viele Kommunen belastet oder überlastet

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„Report Mainz“-Umfrage: Zustände in Flüchtlingsunterkünften teilweise bedrückend / Sendung am heutigen Dienstag, 26. April 2022, 22 Uhr im Ersten

Mainz. Wie eine „Report Mainz“-Umfrage bei den 100 größten Städten Deutschlands ergab, sehen sich knapp 41 Prozent der Antwortenden durch den Geflüchteten-Strom aus der Ukraine belastet bis überlastet. Die Städte gaben an, dass vor allem personelle Engpässe und die Frage der Unterkunfts-Bereitstellung die größten Herausforderungen seien. An der Befragung hatten 66 Städte teilgenommen.

Der Hauptgeschäftsführer des Deutschen Städtetags, Helmut Dedy, sagte auf „Report Mainz“-Anfrage: „Gerade die Städte, die besonders viele Geflüchtete aufnehmen, stoßen an ihre Grenzen. Sie müssen sehr schnell viel Wohnraum finden. Das gelingt nicht immer von jetzt auf gleich und führt leider dazu, dass die Menschen zeitweise in Hotels oder Turnhallen untergebracht werden müssen.“ Auf „Report Mainz“-Anfrage schreibt die Stadt Wiesbaden:Ohne die vielen privaten Unterbringungen wären wir schon längst über der Kapazitätsgrenze unserer Gemeinschaftsunterkünfte. So sind wir am Limit und stehen jede Woche vor der Entscheidung, Turnhallen nutzen zu müssen.“

Die Stadt Bottrop schreibt: „Derzeit ist auf Bundes- und Landesebene noch nicht abschließend geklärt, wie die Kosten zu tragen sind. […] Die Kommunen können die zusätzlichen Lasten nicht tragen.“ Dortmund räumt ein: „Es versteht sich von selbst, dass in einer solchen Situation auf allen Ebenen Überlastungssituationen entstehen.“ Die Landeshauptstadt Stuttgart schreibt, sie hätte „[…] keine ausreichenden Platzkapazitäten, z. B. in den regulären Flüchtlingsunterkünften.“ Es müsseauf Notunterkünfte ausgewichen werden." 

Zustände in einigen Flüchtlingunterkünften teilweise bedrückend.

Eine weitere „Report Mainz“-Umfrage bei zuständigen Ministerien der Bundesländer ergab: Mindestens 55.000 Ukrainerinnen und Ukrainer leben derzeit in Massenunterkünften für Flüchtlinge. Von hier aus sollen sie gerecht auf die Kommunen verteilt werden. „Report Mainz“ wurden Bilder aus Flüchtlingsunterkünften bundesweit zugespielt. Darauf zu sehen: verdreckte Schränke, verendete Insekten, Schimmel und Schmutz.

Fall von Rotavirus in Massenunterkunft in Hessen

„Report Mainz“ hat den Fall einer Ukrainerin recherchiert, die mit ihren drei Kindern in der Erstaufnahmeeinrichtung in Gießen untergebracht war. Sie berichtet, ihr eineinhalbjähriger Sohn habe sich in der Unterkunft mit dem Rotavirus infiziert. „Er hat sich zwei Tage lang übergeben, hatte Durchfall, hohes Fieber.“ Am nächsten Tag seien auch andere krank geworden. Das Rotavirus ist ein hochansteckender, besonders für Kleinkinder gefährlicher Brechdurchfall. Trotz der Erkrankung ihres Sohnes wurde die Ukrainerin zusammen mit ihren Kindern in eine weitere Erstaufnahmeeinrichtungverlegt – nach Marburg. In einem Gemeinschaftsbus. Das Gesundheitsamt Gießen räumte ein, dass „eine Person mit einer Rotavirus-Infektion in der Erstaufnahmeeinrichtung“ gemeldet worden sei.

Das Gesundheitsamt Marburg schreibt auf „Report Mainz“-Anfrage, es habe Mitte März zwei Fälle mit dem Rotavirus in einer Notunterkunft gegeben. Das Land Hessen äußerte sich auf mehrfache „Report Mainz“-Anfrage dazu nicht.

Mehr Geld für die Unterbringung der Ukrainerinnen und Ukrainer vom Bund

Beim gestrigen Ukraine-Flüchtlingsgipfel im Kanzleramt kündigte die Integrationsbeauftragte der Bundesregierung, Reem Alabali-Radovan (SPD) an, der Bund werde die Länder bei der Unterbringung der Ukrainer unterstützen und an diesem Mittwoch im Kabinett einen Ergänzungshaushalt beschließen.

Zitate gegen Quellenangabe „Report Mainz“ frei.

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Geflüchtete aus der Ukraine erreichen Deutschland © picture alliance/dpa Ole Spata

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