Kameramann Johannes Greisle versucht aus dem Auto heraus einen Sandsturm mit der Kamera einzufangen. (Foto: SWR, Benjamin Rost)

Nachwuchsförderung

„Junger Dokumentarfilm“ – 21. Staffel ab 14.10. im SWR Fernsehen

STAND

Vier Filme unter dem Motto „Heimatlos“ / Absolvent:innen der Filmakademie Ludwigsburg

Am 14. Oktober 2021 startet die 21. Staffel der SWR Reihe „Junger Dokumentarfilm“ im SWR Fernsehen. Bis 4. November sind vier Filme von Absolvent:innen der Filmakademie Baden-Württemberg zu sehen. Die Filme entstanden in inhaltlicher Zusammenarbeit mit der SWR Redaktion Dokumentarfilm und werden finanziell gefördert vom SWR und der MFG Filmförderung Baden-Württemberg. Nach der Ausstrahlung sind die Filme in der ARD Mediathek zu sehen.

Heimatlos – 21. Staffel Junger Dokumentarfilm

Die Filmemacher:innen der diesjährigen Staffel erzählen – jede/r auf seine/ihre Art – Geschichten von Menschen, die ihre Heimat verloren haben, aufgeben mussten, oder vielleicht auch nie eine hatten. Es sind Geschichten aus einer Welt, in der soziale Ungleichheit einen traurigen Höhepunkt erreicht hat. Doch wie auch ihre Protagonist:innen, geben die Filmemacher:innen nie auf, in der Hoffnungslosigkeit immer auch nach dem Funken Hoffnung zu suchen, der sich durch die Filme wie ein roter Faden zieht und dadurch den porträtierten Menschen eine große Würde verleiht.

Auf der Jagd nach dem Glück“ am 14. Oktober um 23:15 Uhr im SWR Fernsehen

Im Eröffnungsfilm erforscht Filmemacher Benjamin Rost im nebligen Diamantentaucherdorf Port Nolloth im Süden Südafrikas die menschliche Suche nach dem Glück. 4000 Menschen leben dort: Gestrandete, Heimatlose, unverbesserliche Optimist:innen. Seit 40 Jahren tauchen sie bei stürmischer See nach Diamanten am Meeresgrund. In den 1980er Jahren wurden damit Millionen verdient. Doch die großen Zeiten sind längst vorbei. Die Träume aber leben weiter. Benjamin Rost: „Eigentlich wollte ich einen poetischen Film über das fast gestorbene Diamantentaucherdorf machen. Da passierte unerwartet etwas Historisches: Plötzlich brach ein neuer Diamantenrausch aus. Unsere Dreharbeiten kristallisierten sich zu einer Allegorie auf den weltweiten Kapitalismus.“

„Jemen – Die Mütter der Entführten“ am 21. Oktober um 23:15 Uhr im SWR Fernsehen

Der Film von Sabrina Proske handelt über die grausame Folter in jemenitischen Gefängnissen – und wie ein Mütterverband dagegen ankämpft. Es ist ein Blick auf die Frauen im Jemen, deren Heimat durch Krieg zerstört wird, die aber dennoch dort bleiben, um für ihre Männer und Söhne einzustehen, die im Gefängnis sind. Anhand der Schilderungen von Angehörigen und ehemaligen Häftlingen schildert der Film die Brutalität in den dortigen Gefängnissen. Er zeigt aber auch das neue Selbstverständnis, das sich die jemenitischen Frauen zu eigen machen. Filmemacherin Sabrina Proske will dem deutschen Publikum den Konflikt im Jemen und die mutigen Frauen aus Sanaa näherbringen.

Mein Vietnam“ am 28. Oktober um 23:45 Uhr im SWR Fernsehen

Hien Mai und Tim Ellrich porträtieren das vietnamesische Ehepaar Bay und Tam, das seit 30 Jahren in Deutschland lebt. Abseits der deutschen Gesellschaft arbeiten sie in neonbeleuchteten Büroräumen als Putzkräfte. Durch Skype und Karaoke-Chatrooms haben sie ihre eigene virtuelle Version von Vietnam in ihrer Münchner Wohnung erschaffen. Sind sie jemals in Deutschland angekommen? Ist Heimat vielleicht weniger ein Ort als ein Gemütszustand? Hien Mai: „Diese Doku mit meinen Eltern zu machen, war sehr emotional und intensiv. Beide brauchen mich oft in ihrer Nähe, bi-kulturelle Kinder machen diese Erfahrung häufig. Es gibt so viele Gründe, warum Menschen alles zurücklassen. Dafür braucht man wirklich Mumm und dafür bin ich eine bewundernde Tochter.“

„Die vier Winde“ am 4. November um 0:15 Uhr im SWR Fernsehen

Den Schlusspunkt der Staffel bildet der poetisch-bildgewaltige Film von Anna-Sophia Richard über eine Region im Südwesten der Dominikanischen Republik, die besonders stark von Auswanderung geprägt ist. Die ehemaligen Bewohner:innen von Fondo Negro leben in alle Himmelsrichtungen verstreut. Die Auswirkungen dieser Migration sind erheblich: Ehen zerbrechen, viele Kinder müssen ohne ihre Mütter und Väter aufwachsen, junge Menschen träumen von der großen weiten Welt, kehren jedoch oft nach Misserfolg und finanziellem Ruin zurück. Ein Film über die Suche nach Glück, das oftmalige Scheitern und das, was Menschen dennoch antreibt, es immer wieder zu versuchen. Anna-Sophia Richard kam als Tochter eines dominikanischen Vaters mit ihrer deutschen Mutter mit sechs Jahren nach Deutschland. Sie wollte erforschen, wie andere das Thema Familientrennung verarbeiten: „Viele Dominikaner:innen glauben, Glück und Erfolg gäbe es nur im Ausland.“

Sendungen im SWR Fernsehen

  • „Auf der Jagd nach dem Glück“ am 14. Oktober, 23:15 Uhr
  • „Jemen – Die Mütter der Entführten“ am 21. Oktober, 23:15 Uhr
  • „Mein Vietnam“ am 28. Oktober, 23:45 Uhr
  • „Die vier Winde“ am 4. November, 00:15 Uhr


Alle Filme stehen ab Sendedatum auch in der ARD Mediathek.

Die Filme stehen nach Fertigstellung akkreditierten Journalisten im Vorführraum unter swr.de/presse zur Verfügung.

Fünf Männer graben im Schuttfeld mit Schaufel und bloßen Händen nach Diamantensplittern. "Auf der Jagd nach dem Glück" von Benjamin Rost. (Foto: SWR, Benjamin Rost)
Diamantengräber auf dem "Digging Field" graben mit bloßen Händen nach den winzigen Steinen. © SWR/Benjamin Rost Benjamin Rost Bild in Detailansicht öffnen
Mütter des Vereins "Abductees' Mothers' Association" (Mütter der Entführten) protestieren lautstark vor den Gefängnistoren für die Freilassung ihrer Söhne. © SWR/AVIV Pictures GmbH/Schwenk Film GmbH AVIV Pictures GmbH/Schwenk Film GmbH Bild in Detailansicht öffnen
Sie sind 1989 als Boatpeople nach Deutschland gekommen, um den Folgen des Vietnamkriegs zu entfliehen: Kurz darauf bekam Familie Mai Zuwachs. Töchterchen Hien wurde im selben Jahr in München geboren. Sie führte beim Dokumentarfilm "Mein Vietnam" Regie, fehlt aber auf diesem Familienbild noch. © SWR/Filmakademie Baden-Württemberg Bild in Detailansicht öffnen
Viele Jungs in der Dominikanischen Republik träumen z. B. von einer internationalen Baseballkarriere. © SWR/gigantenfilm gigantenfilm Bild in Detailansicht öffnen

Pressekontakt

Daniela Kress

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