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Doku „Heilpraktiker: Quacksalber oder sanfte Alternative?“ im Ersten am 9. November, 20:15 Uhr / über Ausbildung, Hintergründe und Grenzen eines umstrittenen Berufs

Rund 47.000 Heilpraktiker*innen gibt es in Deutschland. Sie erfreuen sich großer Beliebtheit, denn ihre Methoden gelten vielen als sanft und natürlich. „Die Story im Ersten“ am 9. November um 20:15 Uhr zeigt mit dem Beitrag „Heilpraktiker: Quacksalber oder sanfte Alternative?“ jedoch: In unserem ansonsten streng regulierten Gesundheitssystem haben Heilpraktiker eine Sonderstellung. Anders als Ärzte absolvieren sie eine Schmalspurausbildung, in der Regel sehen sie in dieser keine Patient*innen. Für die Zulassung reicht ein Hauptschulabschluss, die angehenden Heilpraktiker*innen müssen lediglich eine Überprüfung beim Gesundheitsamt bestehen, die einen Multiple-Choice-Test und eine mündlich-praktische Prüfung umfasst. Zu den naturheilkundlichen und alternativen Verfahren, die sie später in ihren Praxen anwenden, werden sie nicht geprüft.

Heilpraktiker haben enorme Befugnisse

Heilpraktiker dürfen Spritzen setzen und Infusionen verabreichen. Es ist ihnen gesetzlich erlaubt, Diagnosen zu stellen und selbst schwere Krankheiten wie Krebs zu behandeln. Immer wieder führt das zu tragischen Behandlungsfehlern: Im Juli 2016 starben etwa die Niederländerin Joke K. und zwei weitere Patient*innen, nachdem ihnen ein deutscher Heilpraktiker während einer alternativen Krebstherapie eine gefährliche Chemikalie verabreicht hatte. Vor dem Landgericht Krefeld wurde er wegen fahrlässiger Tötung in drei Fällen verurteilt. Das Aufsehen erregende Verfahren wirft ein Schlaglicht auf eine Berufsgruppe, über deren Ausbildung kaum jemand etwas weiß – und die zudem von den Behörden kaum kontrolliert wird. Ein gefährlicher Sonderfall im deutschen Gesundheitswesen.

Der Film blickt hinter die Kulissen der sogenannten sanften Medizin

Monatelang hat Filmautorin Claudia Ruby den Krefelder Gerichtsprozess beobachtet, Heilpraktiker*innen, Patient*innen und Gesundheitsexpert*innen befragt. Es ist ihr gelungen, einen einzigartigen Blick hinter die Kulissen einer Branche zu werfen, die es so in keinem anderen westlichen Industrieland gibt: Warum dürfen Heilpraktiker in Deutschland Kranke behandeln, obwohl sie keine adäquate medizinische Ausbildung haben? Warum lassen sich jedes Jahr Millionen von Patienten und Patientinnen mit Verfahren behandeln, von denen viele erwiesenermaßen nicht helfen oder sogar schaden? Wieso haben Heilpraktiker*innen enorme Freiheiten, während alle anderen Bereiche des Gesundheitswesens streng reguliert sind? Und: Was muss die Politik tun, damit Heilpraktiker*innen nicht zur Gefahr für ihre Patient*innen werden?

Die Sendung

Die Story im Ersten „Heilpraktiker: Quacksalber oder sanfte Alternative?“ ist eine Produktion des SWR und des WDR wird am 9. November 2020 um 20:15 Uhr im Ersten ausgestrahlt. Ab Ausstrahlungstermin ist die Reportage für zwölf Monate in der ARD Mediathek verfügbar. Akkreditierte Journalisten können die Produktion ab 9. November im Vorführraum von Das Erste abrufen.

Wie in dieser nachgestellten Szene behandelte der Heilpraktiker Klaus R. Krebspatienten mit einer gefährlichen Chemikalie. © SWR, honorarfrei (Foto: SWR)
Wie in dieser nachgestellten Szene behandelte der Heilpraktiker Klaus R. Krebspatienten mit einer gefährlichen Chemikalie. © SWR

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