Moderatorin Alev Seker © SWRAlexander Kluge (Foto: SWR, Alexander Kluge)

Nachrichten vor 50 Jahren „Die SWR Zeitreise – Nachrichten von damals“

Halbstündiger Blick in den April vor 50 Jahren / Folge drei der neuen Geschichts-Reihe mit Alev Seker / 14. April, 13 Uhr, SWR Fernsehen

Der April 1969 beginnt auch im Fernsehen wie jedes Jahr mit Aprilscherzen. An Ostern wird das Wetter endlich warm und freundlich, das Frühjahr wartet mit modischen Vorboten auf. Andere Dinge aber liegen im Argen: Die Behörden gehen gegen Weinpanscherei vor und in manchen Gaststätten herrschen unhaltbare Zustände. Der Grund: Gaststättenkonzessionen gibt es damals ohne Sachkundenachweis. All das soll anders werden. Themen der Berichterstattung aus dem März 1969 – zu sehen in der dritten Folge „Die SWR Zeitreise – Nachrichten von damals“ am Sonntag, 14. April 2019 um 13 Uhr im SWR Fernsehen.

„Fake News“ mit Tradition: Aprilscherze

Der Brauch, seine Mitmenschen „in den April zu schicken“, wurde auch 1969 gepflegt – nicht zuletzt von den Fernsehreportern. Sie erfanden haarsträubende Geschichten, die – mit dem entsprechenden Ernst und „Belegen“ vorgetragen – sehr glaubhaft waren. So zum Beispiel der Beitrag über einen rätselhaften „Münz-Virus“, der in Baden-Württemberg das Silbergeld zerstört. Oder der angebliche Fund des Barbarossa-Grabes in Kaiserslautern.

Tatsächliche Fälschung: gepanschter Wein

Im Wein soll ja bekanntlich Wahrheit liegen. Dass das nicht immer der Fall ist, stellten die Weinkontrolleure in Rheinland-Pfalz regelmäßig fest, wenn sie unangemeldet zur Kellerkontrolle erschienen. Man kann nämlich Wein ganz ohne Weintrauben herstellen. Unappetitliches gab es auch aus so mancher Küche zu berichten: Wenn damals jemand eine Gasstätte eröffnen wollte, bekam er ohne Weiteres eine Konzession – gleichgültig, ob er Ahnung von Hygiene hatte oder nicht.

Hobbies und Beruf(ungen): Schatzsuchen, Funken und Fliegen

So etwas wie Hobby-Archäologen gibt es eigentlich nicht. Entweder man hat Archäologie studiert und arbeitet als solcher, oder man ist Raubgräber. Mangels eindeutiger gesetzlicher Grundlage gab es damals aber eine Grauzone. In dieser bewegte sich ein Schüler aus Mainz-Weisenau, der der Versuchung nicht widerstehen konnte, in der römischen Gräberstraße vor der Haustür zu buddeln. Immerhin band er die örtlichen Archäologen mit ein. Heute ist er eingebunden: Als Ruheständler arbeitet er heute unter Aufsicht der Archäologen als Grabungshelfer. Ein ebenfalls nicht alltägliches Hobby hatte ein 13-jähriger Schüler aus Herrenberg in Baden-Württemberg: Amateurfunken. Er kannte die Geräte, die Regeln, durfte aber wegen seines Alters noch nicht so richtig mit der Welt kommunizieren. Um weltweit Konversation zu treiben, musste er 18 sein. Nicht mehr vorstellbar in Zeiten von World Wide Web und Social Media. Und dann gab es noch Pilotinnen, die die männliche Vorherrschaft in der Luft angriffen und sich in Worms zu ihrer ersten gemeinsamen Jahreshauptversammlung trafen.

Sommerliche Vorboten: Bademoden und mobile Kleiderläden

Weil der Sommer ´69 vor der Tür stand, bekam Frau Tipps für Strandmode. Dafür mussten Models einiges auf sich nehmen, wenn sie bei vier Grad plus leichtbekleidet auf der Schwäbischen Alb posierten. Wenn die dort lebenden Kundinnen keine Gelegenheit hatten, die neueste Mode in der großen Stadt einzukaufen, dann kam die Mode eben zu ihnen: Eine Kleiderfabrik aus Welschingen im Hegau schickte rollende Kleiderläden übers Land und bot für wenige Tage ihre Kollektion an. Danach wurde abgerechnet, eingepackt und weiter ging‘s zum nächsten Dorf. So funktionierten damals schon Pop-up-Stores.

Musikalische Importe: von Locomotive zu Adamo

Musikalisch war der April ´69 gespalten zwischen Rock aus England und Schlager. Doch Salvatore Adamo sah sich nie als Schlagersänger, sondern als Chansonier. Als er im April auf Deutschlandtournee war, sang er ganz selbstverständlich auch auf Deutsch. Adamo ist heute noch im Geschäft, während die englische Band „The Locomotive“ nur noch wenige kennen dürften.

Die Geschichtsreihe

Was war vor 50 Jahren für die Menschen im Südwesten wichtig, was hat sie beschäftigt, worüber haben sie sich aufgeregt oder gefreut? Was war los in Politik, Wirtschaft, Gesellschaft, in der Kultur und im Sport? Und welchen interessanten Menschen sind die Reporter damals begegnet? Moderatorin Alev Seker nimmt die Zuschauerinnen und Zuschauer einmal im Monat mit auf eine Zeitreise in die Vergangenheit. Manches hat sich seitdem geändert, anderes ist heute noch vertraut. Und Veränderungen, die damals ihren Anfang nahmen, wirken bis heute nach. Manche Industriezweige, die 1969 noch wirtschaftlich bedeutend waren, sind weitgehend verschwunden, die Frauen heute haben ein ganz anderes Standing. Mit Neugier und Augenzwinkern schaut die neue Reihe auch auf manche Kuriosität.

Sendung

Die 30-minütige Sendung „Die SWR Zeitreise – Nachrichten von damals“ wird am 14. April 2019 um 13 Uhr im SWR Fernsehen gezeigt. Die weiteren Folgen laufen einmal im Monat zur selben Zeit.

Moderatorin Alev Seker © SWRAlexander Kluge (Foto: SWR, Alexander Kluge)
Moderatorin Alev Seker © SWR/Alexander Kluge Alexander Kluge

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