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Kontinuierliche Förderung für die große Karriere

SWR2-Musikchefin Dorothea Enderle im Interview

Mit der Initiative "SWR2 New Talent" fördert das Kulturradio des SWR seit 2013 jeweils drei Jahre lang herausragende klassische Nachwuchsmusiker – im Programm, in Konzerten und durch CD-Produktionen. Ein Interview mit SWR2-Musikchefin Dorothea Enderle über die Hintergründe und Ziele des Nachwuchsprogramms.

SWR2-Musikchefin Dorothea Enderle im Porträt

SWR2-Musikchefin Dorothea Enderle

Frau Enderle, mit "SWR2 New Talent" hat die Nachwuchsförderung durch SWR2 seit 2013 einen offiziellen Rahmen. Welche Idee steckt dahinter?

Die Initialzündung für mich war der jährlich stattfindende EBU-Wettbewerb "New Talent", bei dem ich seit einigen Jahren als Jurorin dabei bin. Die Music Group der European Broadcasting Union kürt in jedem Jahr auf internationaler Ebene mithilfe eines Wettbewerbs ein "New Talent", das dann durch die europäischen Rundfunkanstalten mit Konzerten und Produktionen gefördert wird. Etwas Ähnliches wollte ich für den SWR schaffen. Wir haben zwar regelmäßig mit jungen Künstlern gearbeitet, von denen viele später eine große Karriere gemacht haben, aber die Förderung durch den SWR wurde nach außen selten richtig sichtbar.

Nach welchen Kriterien werden die Künstler ausgewählt und wer trifft die Entscheidung?

Die Entscheidung traf in diesem Jahr eine sechsköpfige Runde von Musikredakteurinnen mit großer Erfahrung im Veranstaltungs- und Produktionsbereich. Als Kriterien gelten nicht allein der gegenwärtige Stand der technischen und musikalischen Fähigkeiten, sondern auch das vermutete Entwicklungs- und Reifungspotenzial der jungen Talente. Wir fragen uns in der Runde auch, welche Karriere wir den jungen Menschen zutrauen, die wir auf diese Weise fördern. Im Übrigen ist "SWR2 New Talent" kein Wettbewerb, bei dem sich Künstler bewerben können. Die Vorschläge kommen aus der Redaktion selbst. In diesem Jahr haben wir nicht nur Aufnahmen abgehört, sondern drei Kandidaten zu einer Endrunde nach Baden-Baden zum Vorspiel ins Hans-Rosbaud-Studio eingeladen.

Was bedeutet das Nachwuchsprogramm für die Talente und für SWR2?

Für die jungen Musiker kann es wohl keinen größeren Glücksfall geben, als zum Karrierestart ein Medienunternehmen an der Seite zu haben, das über einen gewissen Zeitraum eine angestrebte Karriere kontinuierlich begleitet und fördert. Wir haben einen gemeinsamen "Letter of Intend" formuliert, worin wir beispielsweise festhalten, dass die Musiker die Auszeichnung als "SWR2 New Talent" in ihrer Biografie mit sich führen. Denn auch das kulturelle Engagement des öffentlich-rechtlichen Rundfunks verdient es, bekannter zu werden.

Wie werden die Talente im Programm begleitet?

SWR2 sucht regelmäßig das Gespräch mit seinen "New Talents", vor allem in der Sendung "SWR2 Cluster". Wir wollen wissen, welche Höhen, aber auch Tiefen junge Musiker durchleben. Uns interessiert, wie sie sich ihr Repertoire erarbeiten, was sie beim Üben, im Konzert und auf ihren Reisen erleben, was sie denken, fühlen, sich wünschen.

Das erste Jahr der Förderung von Alexej Gorlatch und Hanna-Elisabeth Müller ist nun vorüber. Mit welchem Erfolg?

Wir sind vom Erfolg, den unsere "New Talents" in den letzten Monaten feiern durften, überwältigt. Hanna-Elisabeth Müller hat für ihre Rolle der "Zdenka" in der "Arabella" bei der Eröffnungspremiere der diesjährigen Salzburger Osterfestspiele teils hymnische Kritiken erhalten. Und die neue CD von Alexej Gorlatch mit Beethoven-Sonaten ist in der Fachpresse durchgehend hervorragend rezensiert worden. Das FonoForum hat sie zur "CD des Monats" gekürt. Das bestätigt unsere Auswahl – aber wir bleiben unseren Künstlern auch treu, wenn es mal Krisen geben sollte.