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Reiseplanung trotz Reisewarnung Wie gefährlich ist Ruanda?

Das ostafrikanische Land Ruanda hat eine bewegte, teils blutige Vergangenheit. Wie sicher ist heute, dorthin zu reisen? Erster Teil unserer Serie zum Thema Gefahr im Urlaub.

Hütten in Ruanda

Spektakuläre Natur: Das ostafrikanische Ruanda

Viele Menschen sind es nicht, die sich auf der CMT 2017 in dem kleinen Filmvorführraum versammelt haben. Fernab vom Trubel in den Hallen flimmern auf der Leinwand Bilder von Gorillas und Giraffen vorbei. Afrikaner lachen freundlich in die Kamera und eine einnehmende Stimme verkündet: „In Ruanda hat sich nach zahlreichen politischen Krisen nun eine sichere Kultur entwickelt, die zum Erforschen einlädt.“

Diese Einladung zu anthropologischen Fallstudien stammt von TARUK Reisen, einem Familienbetrieb, der seit 25 Jahren vom Ehepaar Haape geleitet wird. Johannes und Melanie Haape stammen beide gebürtig aus dem südlichen Afrika und setzen auf Reisen in Kleingruppen; geleitet von Experten, die selbst aus der Region stammen. Melanie Haape pendelt zwischen Deutschland und Afrika hin und her. Auf die Frage, ob es heutzutage noch gefährlich ist, nach Ruanda zu reisen, sagt sie zunächst entschieden: „Nein“, um dann aber doch noch relativierend nachzuschieben: „Es kommt darauf an, wo man hinreist. Wenn man im Busch bleibt, kann nichts passieren.“

Vertreibungen und Völkermord

Ruanda, ein Land mit spektakulärer Flora und Fauna, hat eine unruhige politische Vergangenheit. Bis 1916 deutsche Kolonie, anschließend unter belgischer Verwaltung, erhielt das „Land der tausend Hügel“ 1962 seine Unabhängigkeit. Zwei Republiken folgten, politische Ruhe jedoch nicht. Massaker, Vertreibungen und Konflikte zwischen den Volksgruppen gipfelten 1994 im Völkermord. Innerhalb von etwa 100 Tagen töteten Angehörige der Hutu-Mehrheit fast drei Viertel der Tutsi-Minderheit – zwischen 800.000 und 1.000.000 Menschen wurden ermordet. Zahlreiche Filme haben dieses Kapitel der ruandischen Geschichte aufgegriffen, am prominentesten vermutlich Terry Georges „Hotel Ruanda“ von 2004.

Über 20 Jahre nach dem Völkermord an den Tutsis hat sich die politische Situation beruhigt. Die SWR-Reporterin Sabine Harder hat das Land vor einiger Zeit für eine Woche besucht und ihre Eindrücke in einem Scribble-Live Blog festgehalten. Sie war am Ende der Reise positiv überrascht: „Ruanda ist ein extrem sauberes, grünes Land, die Einheimischen wirken sehr entspannt.“ Trotzdem weiß auch Sabine Harder, dass Ruanda auch im Jahr 2017 noch kein Vorzeigeland afrikanischer Demokratie ist. Presse und Opposition werden unterdrückt, Präsident Kagame regiert autoritär und steht durch die Ausbeutung der östlichen Kongogebiete international in der Kritik.

Das Fazit
Ruanda ist im Jahr 2017 kein Pulverfass mehr. Das Auswärtige Amt warnt auf seiner Website in erster Linie vor Reisen in die Grenzregionen zu Burundi und dem Kongo. Wer unbeschwert spektakuläre Natur erleben will, für den ist eine organisierte Reise nach Ruanda eine gute Option. Vom Städtetourismus im sogenannten ruandischen „Hinterland“ raten aber selbst Reiseveranstalter wie Melanie Haape ab. Wie nahe man einem Land allerdings kommen kann, wenn man sich nur auf geschützten Pfaden bewegt, ist eine Frage, die sich jeder selbst beantworten muss.