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Musikerinnen und Musiker sind sensible Wesen. Die Frage, ob sich ein Ensemble zu Höchstleistungen aufschwingt oder Durchschnitt bleibt, entscheidet sich in hohem Maße danach, wie sehr die Chemie mit dem Menschen am Dirigentenpult stimmt. Im Sommer hatte Marcus Creed sein Abschiedskonzert als Chefdirigent des SWR Vokalensembles. Und nach dem dadurch notwendigen Wechsel hatte am Samstag der neue Mann am Pult sein Antrittskonzert: Yuval Weinberg.

Schon im letzten Jahr hatte die Suche nach jemand Neuem begonnen. Mehrere Gastdirigate sollten es dem Chor ermöglichen, selbst diese Person zu finden. Das SWR Vokalensemble ist ein Chor von internationaler Klasse. Und das ist eine große Herausforderung für alle, die dort als potentielle Nachfolge antreten. Und dann kam da auf einmal der 29-jährige Yuval Weinberg. Arbeitete mit dem Ensemble und dirigierte. Offenbar war das für alle ein magischer Moment - oder Liebe auf den ersten Blick. Allen im Ensemble war klar: Dieser junge Kerl ist es! Als eine meiner ganz frühen Aufgaben als Intendant des SWR durfte ich dann vor einem Jahr seinen Vertrag als Chefdirigent des SWR Vokalensembles unterzeichnen.

Yuval Weinberg mit dem SWR Vokalensemble bei seinem Antrittskonzert (Foto: SWR)

Am Samstag dann endlich das Antrittskonzert. Ich hatte für meine Familie Karten gekauft und mich auf einen weiteren magischen Moment gefreut. Aber mit dem November-Lockdown war klar, dass es kein übliches Konzert geben würde. So dirigierte Yuval Weinberg sein neues Ensemble zwar in einem leeren Saal, aber doch mit Publikum: im Livestream. Auch ich habe den Stream verfolgt. Und ich habe gespürt, wie sehr alle miteinander harmonieren. Wie sie es schaffen, mit der besonderen Situation wie dem leeren Saal und den großen Abständen umzugehen. Das macht Lust auf weitere Konzerte, die sicher irgendwann wieder mit Publikum stattfinden können. Der neue Chefdirigent wird uns allen noch viel Freude machen. Willkommen Yuval Weinberg!

Ihr

Kai Gniffke

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