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Mein Vor- Vorgänger Peter Voß feiert heute seinen 80. Geburtstag. Wenn ich dazu auch auf diesem Wege ganz herzlich gratuliere, tue ich das einerseits, weil sich das so gehört, vor allem aber, weil der SWR diesem Mann ganz viel zu verdanken hat – vielleicht sogar seine Existenz.

Natürlich hat der Erfolg (sprich: der SWR 😉) viele Väter und Mütter. Aber Peter Voß war in dem Prozess der Fusion von SDR und SWF die treibende Kraft, die gemeinsam mit Kurt Beck und Erwin Teufel den Sender schuf, der heute jeden Tag 15 Millionen Menschen im Südwesten begleitet und versorgt. Um solch ein großes Rad zu drehen, bedarf es Überzeugung, Willenskraft und Durchsetzungsvermögen - Eigenschaften, an denen es dem heutigen Geburtstagskind nie fehlte. Holokratie, New Work und flache Hierarchien waren vor 20 Jahren nicht so angesagt.

Ich erinnere mich genau an meine erste Begegnung mit Peter Voß. Im Zuge der Fusion wurde mir die Position eines Redaktionsleiters angeboten, aber der Chef wollte vorher mit mir sprechen. Ich gebe zu, sonderlich viel habe ich damals nicht zur Unterhaltung beigetragen, aber ich bekam einen klaren Eindruck von der Zielstrebigkeit dieses Mannes, die mir großen Respekt abverlangte. Er und ich sind sehr unterschiedliche Typen und ich pflege sicher einen anderen Führungsstil. Ich sage das nicht, um mich über ihn zu erheben. Es wäre töricht, sich von Vorgängern abzusetzen, nur um anders zu sein. Ein Unternehmen braucht aber zu unterschiedlichen Zeiten unterschiedliche Führungspersönlichkeiten mit jeweils eigenen Besonderheiten. Was in jedem Fall bleibt, ist bei mir das Bewusstsein und die Dankbarkeit für das, was Peter Voß und später Peter Boudgoust auf- und ausgebaut haben.

Und das ist ein Unternehmen, das gerade in diesem Jahr mit Hingabe für die Menschen da ist, und darüber hinaus in der ARD Akzente setzt. Gerade dabei profitieren wir im SWR von dem strategischen Weitblick meiner Vorgänger. Denn als der SWR mit der Fusion zum zweitgrößten Sender der ARD aufgestiegen war, waren in der ARD die Claims längst abgesteckt. Die Welt war im Hinblick auf Sendeplätze und Berichtsgebiete klar verteilt. Nur ein Land war vor 20 Jahren noch nicht vergeben: das Neuland. Peter Voß hat weitsichtig für den SWR die Zuständigkeit für Online und Internet reklamiert. Peter Boudgoust hat mit dem jungen Angebot „funk“ daran angeknüpft und dafür gesorgt, dass der SWR die Federführung für Mediathek, Audiothek, junges Angebot und die Online-Strategie innehat. Mehr Zukunft geht nicht.

Deshalb gibt es heute für Peter Voß und für uns einen Grund zu feiern. Alles erdenklich Gute, lieber Vor- Vorgänger!

Ihr

Kai Gniffke

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