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Eigentlich müsste ich jetzt in Mainz sein. Denn heute ist der letzte Arbeitstag von Hermann Eicher, unserem Justitiar. Auch wenn in diesen Zeiten keine großen Feiern möglich sind, so wollte ich doch auf jeden Fall noch einmal mit ihm anstoßen. Aber auch dieses Vorhaben machte Corona kurzfristig zunichte. Dabei hätte er alles Mögliche an diesem Tag verdient. Hermann Eicher ist für den SWR viel mehr als „nur“ ein Justitiar.

Im Jahr 1998 wurde Hermann Eicher der erste Juristische Direktor des frisch fusionierten SWR. Schon als junger Reporter hatte ich den baumlangen Juristen zu schätzen gelernt, wenn er bei heiklen Beiträgen neben mir in der Abnahme des Films saß. Er bewahrte mich und uns vor so manchem Fehltritt und half immer, den Film noch ein Stück präziser und besser zu machen. Und er hielt uns den Rücken frei, wenn ein kritischer Beitrag auch mal aneckte. Schon damals vermittelte er den Eindruck: Wenn Du den Langen an Deiner Seite hast, kannst Du auch mal eine kesse Lippe riskieren.

Hermann Eicher ist aber nicht nur ein exzellenter Jurist, er hat auch Rundfunkgeschichte geschrieben. Der gebürtige Koblenzer gilt zu Recht als Vater des Rundfunkbeitrags, die Umstellung vor einigen Jahren ist maßgeblich sein Verdienst. Damit hat er einen wesentlichen Anteil daran, dass der öffentlich-rechtliche Rundfunk auch im digitalen Zeitalter gerecht, angemessen und fair finanziert wird.

Und Hermann verbindet zwei Eigenschaften, die nur selten zusammenkommen. Einerseits ist er ein Gemütsmensch, den eigentlich alle mögen und schätzen. Einer, mit dem man auch Probleme diskutiert, die gar nichts mit Juristerei zu tun haben. Zugleich ist er mit 22 Jahren als Justitiar eine absolute Autorität, an der niemand vorbeikommt. In unseren Geschäftsleitungssitzungen war immer klar: Wenn Du etwas durchbekommen willst, musst Du Hermann auf Deiner Seite haben. Wenn Du ihn gegen Dich hast, vergiss es. So buhlten alle Direktorinnen und Direktoren und natürlich auch der Intendant stets um die Zustimmung des Justitiars. Er war sich dieser starken Rolle bewusst, aber er hat sie nie ausgenutzt.

Es war ein für uns beide bewegender Moment, als dieser Hüne vor einigen Monaten in meinem Büro vor mir stand, mir den Brief zu seinem Ausscheiden übergab und mit bebender Stimme sagte: „Der SWR ist mein Leben.“ Sie glauben mir nicht, wie es mich wurmt und traurig macht, heute nicht in seinem Büro zu sein. Aber sei versichert, lieber Hermann, Du entgehst unserem Dank und unserem Feierwillen nicht. Für heute nur soviel: Tausend Dank für alles - Ciao Hermann.

Dein

Kai Gniffke

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